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Mag. Birger Rudisch Tiroler Patientenvertretung
 
Standpunkte 16. Mai 2012

Ein wichtiges Steuerungsinstrument

Wir wissen, wie wenig Zeit niedergelassenen Ärzten für Patientengespräch, Untersuchung und Behandlung bleibt. Wie schwierig gestalten sich folglich Gespräche vor allem aus der Sicht des Patienten, wenn dieser etwa unter Schmerzen leidet, mit einem besonderen Leiden oder der Ungewissheit der Diagnose konfrontiert ist bzw. seinen Alltag vor dem Hintergrund der Erkrankung organisieren muss. Schon die genaue Anamnese bleibt dabei auf der Strecke. Anders im Fall einer Vorsorgeuntersuchung, oft auch Gesundenuntersuchung genannt, bei der sich Patient und Arzt frei von solchen Nöten und Zwängen austauschen können und sollen. Arzt und Patient lernen sich im günstigen Fall als gesunde Menschen und über die Jahre immer besser kennen. Damit erreichen beide nicht nur quasi einen Benchmark für den Krankheitsfall, sondern auch das Vertrauensverhältnis, welches häufig vermisst wird. Je früher das Kennenlernen geschieht, desto besser.

Außerdem versetzen erst regelmäßige und früh begonnene Vorsorgeuntersuchungen beim Allgemeinmediziner das Gesundheitssystem in die Lage, auch niederschwellig einzelne Menschen bestimmten Zielgruppen zuzuordnen und passende Intervalle für zielgerichtete Untersuchungen festzulegen. Nur so wird eine Steuerung möglich. Aber auch Vorsorge will gelernt sein: An der Medizinischen Universität Innsbruck werden aktuell nur mehr im dritten und im vierten Semester des Medizinstudiums je zwei Wochenstunden der Vorsorgeuntersuchung gewidmet. Dies widerspricht dem oft gepredigten Ziel medizinischer Prävention deutlich.

Das Wissen um die eigene Gesundheit und richtige Einschätzung ihres Werts sind Grundlage für eine starke Eigenverantwortlichkeit des (zukünftigen) Patienten. Erschreckend ist aus Sicht des Patientenvertreters daher die geringe Reichweite der Vorsorgeuntersuchung (nur 13 Prozent der erwachsenen Bevölkerung). Zu fordern ist deshalb nicht ihre Abschaffung, sondern im Gegenteil ein Programm zur Förderung der Inanspruchnahme, insbesondere bei Menschen ab dem dreißigsten Lebensjahr, und zwar beim Allgemeinmediziner.

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