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Dr. Martin Halla Assistant Professor, Johannes Kepler Universität Linz, Department of Economics
 
Standpunkte 16. Mai 2012

Zweck wird nicht erfüllt

In einer gesundheitsökonomischen Studie haben Franz Hackl, Michael Hummer, Gerald Pruckner und ich die Effektivität der Vorsorgeuntersuchung evaluiert. Als relevante Kriterien haben wir die Effekte der Teilnahme auf den Gesundheitszustand und die Gesundheitsausgaben herangezogen. Die Analyse basiert auf anonymisierten Daten der OÖ Gebietskrankenkasse. Um die Selbstselektion in die Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung zu kontrollieren, wurde ein Schätzverfahren verwendet. Hier nützen wir aus, dass Allgemeinmediziner in verschiedenen Regionen Oberösterreichs ihren Patienten die Vorsorgeuntersuchung in einem unterschiedlichen Ausmaß empfehlen. Diese ökonometrische Methode erlaubt uns, den unverzerrten Effekt der Vorsorgeuntersuchung zu schätzen.

Wir haben herausgefunden, dass die Teilnahme in der kurzen Frist zu einem signifikanten Anstieg der Gesundheitsausgaben sowohl im stationären als auch im niedergelassenen Bereich führt. Dieser kann auf Folgeuntersuchungen und auf erhöhten Medikamentenkonsum zurückgeführt werden. Gleichzeitig sind keine Effekte auf den Gesundheitszustand der Teilnehmer – gemessen in Krankenstandstagen – zu beobachten. In der mittleren Frist, also nach drei bis fünf Jahren, sind einige Einsparungseffekte im niedergelassenen Bereich zu beobachten. In der langen Frist, sechs Jahre und mehr, sind keinerlei Effekte auf die Gesundheitsausgaben oder die Gesundheitszustände der Teilnehmer feststellbar. Es gibt auch keinen Effekt auf die Sterblichkeit.

In Summe bedeutet dies, dass dem Gesundheitssystem durch die Vorsorgeuntersuchungen neben direkten Kosten der Untersuchung auch zusätzliche Kosten durch Folgeuntersuchungen und erhöhten Medikamentenkonsum in der kurzen Frist entstehen. Durchschnittlich werden diese zusätzlichen Kosten jedoch nicht durch die Einsparungen in der mittleren oder langen Frist gedeckt. Nachdem auch keine Effekte auf den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung feststellbar sind, legt die empirische Evidenz nahe, dass eine allgemeine, unspezifische Vorsorgeuntersuchung ihren Zweck nicht erfüllt.

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