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Foto: MedUni Graz
Prof. Dr. Josef Smolle Rektor der Medizinischen Universität Graz
 
Standpunkte 9. Mai 2012

Grazer BMS-Test schafft den Ausgleich

Aufgrund limitierter Kapazitäten wählen die MedUnis Österreichs ihre Studienanfänger selbst aus – ein Vorgehen, das sich bewährt hat. So ist etwa in Graz seit Einführung des Auswahlverfahrens die Drop-out-Rate von 50 Prozent auf unter fünf Prozent zurückgegangen. Zugleich ist die Anzahl derer, die den ersten Studienabschnitt in Mindestzeit absolvieren, von 20 auf ca. 90 Prozent gestiegen. Unterm Strich bringen wir nun mehr Absolventen hervor als zu manchen Zeiten des „freien“ Zugangs. Der in Graz entwickelte BMS-Test (Basiskenntnisse für Medizinische Studien) zeigt klar, dass Information und gute Vorbereitung der Teilnehmenden zu einem Empowerment der Frauen beitragen, was schließlich zu einem Ausgleich der Geschlechterdifferenz bei den österreichischen Bewerbungen geführt hat. Offensichtlich kommen die beiden Geschlechter mit unterschiedlich guten Karten von den Schulen. Im Gegensatz zu andernorts verwendeten Intelligenztests ist der Grazer Test ein Kenntnis- und Verständnistest, für den man lernen kann und muss. Wenn ausreichend Zeit zur gründlichen Auseinandersetzung mit den Themengebieten gegeben ist, dann steigen die Frauen gleich gut aus wie die Männer. Wir setzen seit Jahren auf intensive Information der Schulen. Die Frauen haben es jedenfalls nicht notwendig, mit zweierlei Maß gemessen zu werden. Hinsichtlich der Testinhalte hat sich gezeigt, dass diese je nach Fachgebiet unterschiedliche Effekte haben. Absolut gleich sind die Ergebnisse bei sozialen Inhalten (Situational Judgement Test), Textverständnis und – weitgehend – bei Biologie, während sich bei ungenügender Vorbereitung geschlechtsspezifische Unterschiede bei Chemie und Mathematik zeigen. Interessant ist auch, dass sich allfällige Differenzen im mittleren Leistungsbereich ergeben, nicht jedoch in der Spitzengruppe, in der beide Geschlechter stets gleichrangig vertreten sind. Für die Weiterentwicklung der Auswahlverfahren in Österreich stellt die MedUni Graz gerne ihre Expertise allen Standorten zur Verfügung.

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