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Christian Alexander Orasche Vorsitzender der Universitätsvertretung an der MedUni Wien, Mitglied des akademischen Senats
 
Standpunkte 9. Mai 2012

Gender Gap – was steckt wirklich dahinter?

Die Problematik der genderspezifischen Auswertung ist bedeutender, als sie dies auf den ersten Blick zu sein scheint. Durch die getrennte Berechnung des Testwertes wird dieselbe Leistung von Männern und Frauen unterschiedlich bewertet, womit es zu einer Diskriminierung beider Geschlechter kommt. Diese Regelung ist als Gleichbehandlungsmaßnahme gedacht, schießt aber über das Ziel hinaus und führt so zu Diskriminierung. So könnte die Bevorzugung von Bewerberinnen beim Aufnahmeverfahren dazu führen, dass Studentinnen zukünftig als Quotenfrauen abgestempelt werden, auch wenn sie vom neuen Auswertemodus nicht profitiert haben. Daraus würde wiederum resultieren, dass Frauen es noch schwerer haben, im beruflichen Alltag ernst genommen zu werden. Für die männlichen Teilnehmer hat die neue Auswertung zur Folge, dass sie nun bei gleicher Punkteanzahl möglicherweise 50 bis 100 Rangplätze hinter ihren Mitstreiterinnen liegen. Wegen juristischer Bedenken gegen die Neuerung rechnen wir mit einer Welle an Klagen. Bis die Gerichte jedoch zu einer Entscheidung kommen, können einige Jahre vergehen. Über die Ursache für den Gender Gap in Österreich, welcher im Gegensatz etwa zu Deutschland signifikant ausfällt, wurde in den letzten Jahren immer wieder diskutiert. Zurzeit vermuten Experten eine Kausalität in kontinuierlichen Sozialisationsunterschieden in der Schulausbildung. Der bestehende Gender Gap stellt mit Sicherheit ein Problem dar, das behoben werden muss und wofür wir uns als ÖH auch weiter einsetzen werden. Bei der Gestaltung der Frauenförderung sollte die Problematik als Ganzes betrachten werden. Durch die neue Regelung werden aber nur Symptome bekämpft, während die Ursache weiter bestehen bleibt. Die Lösung des Problems erweist sich natürlich als nicht einfach. Die bestehende Diskrepanz muss genau analysiert und der Test auf die österreichischen Bedürfnisse angepasst werden, sodass die Fähigkeiten und Stärken von Männern und Frauen gleichermaßen zum Tragen kommen.

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