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Foto: Frauengesundheitszentrum
Frauengesundheitszentrum Graz, Arbeitsgruppe Gesundheit bei Transparency Österreich
 
Standpunkte 3. Mai 2012

Lobbying kann Ihre Gesundheit gefährden

Gesundheit ist nicht nur ein begehrtes Gut, sondern auch ein heiß umkämpfter Markt. Gerade im Gesundheitswesen gibt es mächtige Interessengruppen und sehr viel Geld zu verteilen. Da ist Lobbying Tagesgeschäft. Am wenigsten lautstark äußern sich die Patienten. Ihre Wünsche und Bedürfnisse bleiben häufig auf der Strecke. Im Gegensatz dazu können Pharmafirmen, die Medizinprodukte-, Geräte- und Bauindustrie sowie die Berufsgruppen ihre Interessen sehr effektiv durchsetzen. Dabei spielt es oft keine Rolle, wie notwendig ihr Angebot tatsächlich ist. Weniger einflussreich sind bisher Interessenvertretungen, die im Sinne des Gemeinwohls agieren und sich an Bedürfnissen von Patienten orientieren, indem sie für den Abbau von Zugangsbarrieren kämpfen, für die Teilhabe aller Patientengruppen und für gesundheitliche Rechte. Ihr Engagement hilft besonders gesundheitlich benachteiligten Gruppen: alten Frauen, behinderten und sozial benachteiligten Frauen und Männern sowie Migranten. Das Frauengesundheitszentrum ist so eine unabhängige Interessenvertretung. Es setzt sich für ein frauen- und mädchengerechtes Gesundheitssystem ein, deckt Fehl-, Über- und Unterversorgung von Frauen und Mädchen auf und stärkt sie, selbstbestimmte, wissensbasierte gesundheitliche Entscheidungen zu treffen. Gefährlich wird Lobbying dann, wenn es Eigeninteressen einzelner Gruppen dient und es um Macht, Einkommen und Gewinn geht – beispielsweise, wenn Pharmafirmen Studienergebnisse nicht vollinhaltlich veröffentlichen, Daten manipulieren und Ergebnisse verfälscht wiedergeben. So ist in Informationsbroschüren häufig der Nutzen eines Medikamentes hervorgehoben, der mögliche Schaden hingegen nicht angeführt. Für den demokratischen Interessensausgleich braucht es klare Regeln – sowie Sanktionen für jene, die sie missachten. Besonders wichtig sind die Offenlegung von Sponsoring, transparente Entscheidungsstrukturen und unabhängige, gemeinnützige Patientenvertreter und NGOs in Gremien.

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