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Dr. Harald Kubiena Facharzt für Plastische Chirurgie und Leiter des interdisziplinären Wundteams im Krankenhaus Göttlicher Heiland
 
Standpunkte 10. April 2012

Integratives Wundmanagement

Viele Menschen leiden oft monate- oder auch jahrelang an offenen, schmerzenden Wunden, die nur schlecht oder häufig auch gar nicht versorgt werden. Die Folge ist ein langer Leidensweg, der nicht selten in der Amputation – etwa des betroffenen Beines – endet. In einem gemeinsamen Projekt mit der Wiener Gebietskrankenkasse und der Wiener Ärztekammer hat sich das Krankenhaus Göttlicher Heiland dem Thema „integrative Wundversorgung“ angenommen und schließlich eine wesentliche Verbesserung in der Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden bewirken können. Das Projekt wurde 2009 sogar mit dem Gesundheitspreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Die Nachfrage nach einer kompetenten Wundversorgung ist überaus groß: Insgesamt haben uns in einem Zeitraum von zwei Jahren 755 Patienten mit chronisch offenen Wunden aufgesucht. Es wurden knapp 4.000 Behandlungen durchgeführt, die einen deutlichen Erfolg für die Betroffenen brachten: Im Durchschnitt bestand die Wunde bei den Patienten vor Aufsuchen der Ambulanz bereits 20 Monate lang, mit der Behandlung in der Wundambulanz lag die mittlere Abheilungsdauer dann nur noch bei etwa fünf Monaten. Bereits nach durchschnittlich fünf ambulanten Besuchen waren die meisten Wunden sogar gänzlich verheilt. Bei acht von zehn Patienten, die bereits der Amputation zugewiesen waren, konnte das Bein erhalten werden. Trotz vieler zufriedener Patienten, bemerkenswerter Heilungserfolge und einer guten wirtschaftlichen Führung konnten wir für die Wundambulanz keine Finanzierung mehr erreichen. Auch eine Verschiebung der Versorgung in den Ambulanzbereich und die fehlende strukturierte Übernahme im Bereich der niedergelassenen Ärzte war problematisch. Für eine erfolgreiche Behandlung von Wundpatienten ist eine zielgerichtete, interdisziplinäre Versorgung notwendig. Alle Experten – zum Beispiel Gefäßmediziner, orthopädische und plastisch-rekonstruktive Chirurgen – müssen Hand in Hand mit speziell ausgebildeten Pflegekräften zusammenarbeiten. Nur so lässt sich der gewünschte Erfolg erreichen.

l. n

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