zur Navigation zum Inhalt
Foto: beigestellt
Prof. Dr. Gerald Zöch Facharzt für Plastische Chirurgie, Generalsekretär der Austrian Wound Association (AWA)
 
Standpunkte 10. April 2012

Bedarf größer als Angebot

Im Gegensatz zu anderen Bereichen des Wundmanagements, wo in den letzten Jahren viel Positives geschehen ist und die Versorgung weitgehend funktioniert, hinken wir in der Wundversorgung des Diabetischen Fußes allen internationalen Standards weit hinterher. Das Thema Diabetischer Fuß wird selbst vor dem Hintergrund steigender Diabetikerzahlen konsequent ignoriert. Der Krankheit fehlt die Lobby, weil ihre wirtschaftlichen Potenziale für die Industrie überschaubar sind. So gut wie alle Instanzen des Gesundheitssystems verschließen sich der Problematik. Das beginnt damit, dass keine validen Daten für eine Versorgungsplanung zur Verfügung stehen. Wir können nur mit groben Schätzwerten arbeiten. Laut internationalen Studien haben fünf bis sieben Prozent aller Diabetiker Komplikationen mit ihren Füßen, von simplen Druckstellen bis hin zu nicht heilenden Geschwüren und Gangränen, die im schlimmsten Fall Amputationen notwendig machen. Fakt ist, dass die Zahl der Majoramputationen in Österreich zwischen 2002 und 2006 um zehn Prozent gestiegen ist, während es in vielen vergleichbaren Staaten Europas einen rückläufigen Trend gibt. 75 Prozent aller Amputationspatienten sind Diabetiker. Nun gibt es zwar Leitlinien der Gesellschaft für Diabetes, die besagen, dass ab einem bestimmten Krankheitsstadium die Patienten in Fußambulanzen geschickt werden sollen. Das Problem ist nur, diese spezialisierten, interdisziplinären Einrichtungen haben wir nicht oder zumindest nicht in dem benötigten Ausmaß. Nach gängigen internationalen Standards – ein solches Zentrum pro 250.000 Einwohner – müsste es 32 in ganz Österreich geben. Von einer flächendeckenden Versorgung sind wir aber noch meilenweit entfernt. Die Versorgung im niedergelassenen Bereich anzusiedeln, ohne gleichzeitig geeignete Strukturen zu schaffen, funktioniert auch nicht. Daran scheint letztlich ein Projekt in Wien zu scheitern, da die Idee, die Versorgung extramural fortzuführen, offensichtlich nicht angenommen wurde. Es war aber immerhin ein sehr positiver Ansatz, sich in diesem Bereich zu engagieren.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben