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Foto: Wilke
Dr. Andrea Kdolsky PwC Österreich, Director, Healthcare Services & Pharmaceuticals, Bundesministerin a.D.
 
Standpunkte 3. April 2012

Zu viele oder zu wenige Ärzte

Es gibt Ärztekammerwahlen im Land! Warum das für die breite Öffentlichkeit von Interesse sein könnte? Weil immer dann Polemik die Vernunft vertreibt und Angst machende Schlagzeilen die Bevölkerung verunsichern. Das neueste Beispiel dafür ist die Diskussion über einen Mangel an Ärzten in Österreich. Als Zeitzeuge fällt mir da spontan eine Plakatkampagne aus dem Jahr 1988 ein, wo eindringlich vor dem Medizinstudium gewarnt wurde, da man voraussichtlich erst nach Jahren des Wartens zu einer Ausbildung kommen würde und daher die Wahl eher auf andere Berufe als den des Mediziners fallen sollte. Studenten forderten damals, Berechnungen anzustellen, die es möglich machen sollten, den Bedarf an Ärzten in Österreich festzustellen, um rechtzeitig auf veränderte Bedürfnisse reagieren zu können und dem „Schweinezyklus“ entgegenzuwirken. Diese Forderungen verhallten damals ungehört.

Heute hat sich die Zahl der Mediziner vervielfacht und wir nehmen innerhalb Europas einen Spitzenplatz im Verhältnis Arzt pro Kopf der Bevölkerung ein. Den Ängsten der Spitzen der Österreichischen Ärztekammer können ein paar Fakten entgegengehalten werden. Österreich hat nicht zu wenige Ärzte. Die Frage, ob Mediziner in ihren angestammten Berufen beziehungsweise ärztlich tätig in Österreich bleiben, wird davon abhängen, wie hoch deren Zufriedenheit ist. Da gäbe es genug zu tun, wenn man die Klagen der Turnusärzte, der Spitalsärzte, aber auch der Mediziner im niedergelassenen Bereich hört.

Landflucht? Ein Faktum, denn Demografen weisen längst darauf hin, dass bis 2050 etwa 60 Prozent der Bevölkerung in und um die Städte leben werden. Um die Versorgung am Land trotzdem zu garantieren, wird man sich neuer Formen der ärztlichen Zusammenarbeit bedienen müssen. Vielleicht wollen junge, zunehmend im Team ausgebildete Ärzte nicht mehr als Einzelkämpfer tätig sein? Vielleicht treffen neue Versorgungsformen genau die neuen Bedürfnisse? Es sind nicht zu wenig Mediziner – es fehlt an Kreativität und Mut für neue Lösungen!

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