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Foto: ÄK NÖ
Dr. Christoph Reisner Präsident der Ärztekammer NÖ
 
Standpunkte 3. April 2012

Vergleiche sind zu banal

Dass wir schon doppelt so viele Ärzte wie vor 40 Jahren haben, ist für mich ein zu banales Argument. Wir verbrauchen sicherlich auch viel mehr Strom als vor 40 Jahren, und der Bedarf wird trotzdem weiter steigen, da sich unsere Lebensbedingungen eben ändern. Fahrlässig einfach ist es auch geradezu, die Ärztezahlen rein auf Österreich isoliert zu betrachten. Ärzte sind keine Ware, sondern nehmen eine Berufung zum Beruf. Wir wissen, dass die Reisebereitschaft groß ist und damit auch die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo die Arbeits- und Lebensbedingungen passen. Die Zahl der im Ausland tätigen Ärzte aus Österreich dürfte bereits deutlich vierstellig sein. Die Bezahlung ist dabei nur ein kleines Detail, das wissen wir aus zahlreichen Mitgliederbefragungen. Es geht um Ausbildung, die Berufsausübung an sich, Bürokratie, lebbare Arbeitsmodelle oder Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

In Niederösterreich ist es bisher – im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern – noch immer gelungen, Kassenstellen zu besetzen. Ich befürchte jedoch, dass diese Zeiten bald vorbei sein werden. Eine enorme Pensionierungswelle im niedergelassenen Bereich steht uns bevor. Das werden auch die Wahlärzte nicht ausgleichen können, und die Spitalsärzteschaft wird auch nicht jünger. Dort haben wir schon Besetzungsprobleme, vor allem im Turnusärztebereich.

Es mag ja sein, dass wir momentan noch genügend Ärzte haben. Aber sicher nicht mehr genügend, die auch mittelfristig zu den derzeit herrschenden Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitswesen arbeiten wollen. Die Ärztezahlen mit der Zahl der Medizinstudenten zu vergleichen, ist zu banal. In Österreich studiert es sich gut. Wer österreichische Ärzte im Land halten will, muss dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen im Anschluss an das Studium passen. Und dafür bedarf es einer deutlichen Korrektur der Linie sowohl im Bereich der Niederlassung als auch im Bereich der Spitalsärzte.

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