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Foto: Agnes Stadlmann
Dr. Rosa Aspalter Ärztin für Allgemeinmedizin, Diplom für Ernährungsmedizin, „Kilocoach“
 
Standpunkte 28. März 2012

Wo ist der Plan, wo die Aktion?

Wenn Kinder und Jugendliche an „Altersdiabetes“ erkranken, geht es beim Thema Ernährung nicht mehr um Geschmack, um persönliche Vorlieben oder um Modetrends – da ist Handeln, auch politisches Handeln, gefragt. Ich befürchte allerdings, dass der Nationale Aktionsplan Ernährung dafür zu zahnlos ist.

Dem NAP.e fehlt das Potenzial, das Nahrungsangebot grundlegend zu ändern. Es fehlen die Visionen für das Große, die Ideen, den Ballast an Nahrungsmitteln insgesamt – und ich meine hier nicht die Ballaststoffe! – zu verringern und dafür qualitativ zu verbessern. Es fehlt an Konsequenzen für all jene, die uns Tag für Tag mit nicht gerade unbedenklichen Nahrungsmitteln versorgen. Eine freie Konsumgüterwirtschaft ist grundsätzlich gut, wenn sie aber zu Volkskrankheiten führt, führt sie sich selbst ad absurdum.

Der NAP.e ist auch, anders als etwa in Deutschland oder gar in Großbritannien, mit keinen nennenswerten Finanzleistungen verbunden. Er kann daher auch nicht als Regulativ wirksam werden. Gut hingegen ist der vielschichtige Ansatz, der hier formuliert ist. Handeln ist auf allen Ebenen gefragt: Auf der des einzelnen Konsumenten, auf der Ebene des Versorgers, der Lebensmittelhersteller, aber auch der Politik. Diese glaubt zwar, Ärztepraxen und Krankenhäuser in strengen Grenzen regulieren zu müssen. Bier, Pizza, Eis und Burger darf es hingegen an jeder Straßenecke geben.

Ebenfalls gut ist die Absicht, Maßnahmen auch zu evaluieren. Doch wo keine konkreten Ziele gesteckt sind, gibt es wohl auch keine Evaluierung. Ich wünschte, der Nationale Aktionsplan Ernährung wäre mehr als eine Ansammlung sehr allgemeiner Absichtserklärungen. Statt Ziel-Formulierungen wie: „Steigerung der Gesundheit und Lebensqualität durch Verbesserung des Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens in Österreich“ sollte er Ziele greifbar und evaluierbar formulieren. Etwa so: „Den Zuckerkonsum in Österreich innerhalb von fünf Jahren von ca. 35 kg auf 30 kg pro Jahr und Kopf zu senken.“ Das ist konkret, das ist messbar, und das hat vermutlich gesundheitspolitische Konsequenz.

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