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Foto:  Satori
Dr. Wolfgang Ziegler Stv. Obmann der niedergelassenen Ärzte und Obmann der Sektion Allgemeinmedizin, Ärztekammer für OÖ
 
Standpunkte 21. März 2012

Der Teufel steckt im Detail

Der Stellenwert der Prävention im Gesundheitssystem ist zwar heute weitgehend unumstritten, das Feld wird aber nach wie vor mehr besungen als tatsächlich beackert. Das gilt gleichermaßen für die Gesundheitspolitik, die Krankenversicherungsträger wie auch die Patienten. So gesehen sind präventionsfördernde Maßnahmen grundsätzlich zu begrüßen. Auch die Effektivität des Ansatzes – nach dem Motto „Geld regiert die Welt“ – ist auf den ersten Blick nicht von der Hand zu weisen, noch dazu in Kombination mit dem Psycho-Trick „Belohnung statt Bestrafung“.

Der Teufel steckt aber wie überall im Detail: Unentgeltliche Mehrarbeit stößt bei den ohnehin nicht an Arbeitsmangel leidenden Ärzten naturgemäß auf wenig Begeisterung. Die SVA-Versichertengruppe ist klein, das Argument zweistelliger Prozentzuwächse bei den Vorsorgeuntersuchungen schwächelt daher erheblich. Modernisierung und Valorisierung der Vorsorgeuntersuchungen stecken seit Jahren fest und werden durch die geschickte Leistungsverschiebung von der SVA zum Bund nicht beschleunigt werden.

Interessant sind die Erfahrungen mit den neuen „Präventivzugängen“: Es handelt sich überwiegend um Patienten, welche die Ziele bereits erreicht haben, also um fitte, abstinente Nichtraucher. Auch für diese ist eine Vorsorgeuntersuchung zu empfehlen – die eigentliche Zielgruppe ist aber eine andere.

Spannend wird es, die vereinbarten Ziele zu überprüfen. Vor allem auf der Waage: Darf es nicht doch ein halbes Kilo mehr sein? Oder beim Blutdruck messen, wenn selbiger vor lauter Nervosität beim Arzt steigt. Unmöglich ist die Überprüfung von Bewegung, Alkohol- und Nikotinkonsum. Ich lasse jedenfalls meine Patienten das Kreuzerl selber machen und unterschreiben, weil ich keine Bestätigungen ausstelle, die nicht überprüfbar sind.

Der Grundgedanke, Prävention zu fördern, ist zu begrüßen. Es muss aber gerade in dieser Frage die Überzeugung Platz greifen, nicht der (Geld-)Schein. Sonst ist es wie mit den schönen Leitbildern in Firmen-Entrees, die einmal ausgehängt, aber nicht gelebt werden.

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