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Prof. Dr. Anita Rieder Leiterin des Instituts für Sozialmedizin, stv. Leiterin des Zentrums für Public Health der MedUni Wien
 
Standpunkte 21. März 2012

Kein Bonus ohne Malus

Vielerorts gibt es bereits SVA-Modellvarianten, auch von Versicherungsträgern und in der betrieblichen Gesundheitsförderung, etwa Kostenübernahme bei Teilnahme an Raucherentwöhnung, Abnehm- und Bewegungsprogrammen, mit oder ohne Zielerreichung. Die Koppelung von Eigenverantwortung an Benefits im staatlichen Versicherungssystem ist in großen US Health Plans zu finden, z. B. im dafür kritisierten West Virginia Medicaid Plan.

Dass finanzielle Anreize die Lebensstiländerung nachhaltig beeinflussen und damit die Gesundheitserwartung, ist wissenschaftlich nicht Evidenz-basiert. Ein Outcome wie die Steigerung der Gesundheitserwartung wird schwierig nachzuweisen sein, mittelfristige Outcome-Parameter sind gemessene und erhobene Surrogatparameter. Aber das ist in vielen Fällen das Dilemma der Prävention. Es gibt aber enorme Realisierungschancen, um tatsächlich weitreichende Veränderungen zu bewirken. In der Diabetesprävention liegt das präventive Potenzial bei 40 bis 60 Prozent, mit Bewegung und Gewichtsabnahme, bei bestehender Glukosetoleranzstörung. Die Risikoreduktion in Bezug auf Raucherentwöhnung ist wie die Effektivität der ärztlichen Beratung in der Rauchertherapie Evidenz-basiert.

Vorsorgeuntersuchungen bieten sich für ein Konzept wie das der SVA an, es stehen bei einem Teil der Zielerkrankungen Lebensstiländerungen als wesentliche präventivtherapeutische Strategien im Vordergrund. Wenn das Modell Erfolg haben soll, wird es essenziell sein, wie Lebensstilberatung erfolgt und ob Nachhaltigkeit gegeben ist.

Kein Bonus ohne Malus: Subjektiv zahlen jene mehr, die nicht dabei sind oder Ziele nicht erreichen; das Unterschreiben wahrheitsgemäßer Gesundheitsangaben und die rechtliche Belangbarkeit; Ärzte in Kontroll- und Berichtsfunktion; Transfer von Gesundheitsdaten. Auch wird nicht allen die Chance auf einen Bonus gegeben, etwa durch den Einfluss sozialer Faktoren, psychischer Gesundheit, Alter, Geschlecht.

Eine 360-Grad-Evaluierung nach der ersten Phase sollte Hinweise auf Wirkung, erwünschte und unerwünschte Nebenwirkungen geben.

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