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Dr. Günther Malek Gründer des Zentrums für Integrative Medizin
 
Standpunkte 6. März 2012

Koordiniertes Miteinander

Es ist doch etwas blauäugig, anzunehmen, ein Patient komme mit einer allgemein gehaltenen Verordnung zum Physiotherapeuten und erhalte sofort die optimale Therapie einer komplexen Gesundheitsstörung. So zeigt der aktuelle Bericht der Zeitschrift Konsument – vermutlich ungewollt – gleich mehrere Schwächen des Systems auf. Natürlich ist es strikt abzulehnen, wenn Physiotherapeuten kinesiologische Austestungen und Paramedizin betreiben. Da müssen auch die Gesundheitsbehörden verstärkt eingreifen. Als Arzt muss ich sicherstellen, dass meine Verordnung eingehalten wird. Wir sollten aber guten Therapeuten, die über eine intensive Ausbildung und oft jahrelange Erfahrung in der Behandlung von Störungen im Bewegungssystem verfügen, auch Kompetenz in der Auswahl der Methoden zuschreiben. Nicht für jeden Patienten ist in der ersten Stunde eine aktive Therapie geeignet. Auch wenn 30 Minuten Einzelheilgymnastik verschrieben wurden, ist oft passive Mobilisation besonders in den ersten Einheiten wichtiger. Im weiteren Verlauf sollte eine sinnvolle aktive Therapie aufgebaut werden. Dass, wie im Artikel kritisiert, das Vorgespräch nicht zur Behandlungszeit zählt, ist mir vollkommen unverständlich. Eine Anamnese ist von essenzieller Bedeutung und auch verpflichtend für den Therapeuten. Es kann ihm als selbstständigem Unternehmer nicht zugemutet werden, das unbezahlt in seiner Freizeit zu absolvieren. Die Schwierigkeiten sind auch ein Zeichen für die Vernachlässigung funktioneller Störungen des Bewegungssystems in der ärztlichen Ausbildung und für fehlende Vergütung aufwendiger ärztlicher Untersuchungen am Bewegungsapparat durch die Kassen. Schmerzursachen sind oft komplex und haben häufig auch psychosoziale Hintergründe. Wird dann die Therapie zu früh an Physiotherapeuten delegiert, führt das letztlich zu einer Überforderung der Therapeuten. Persönlich schicke ich keine Patienten zur Therapie, sondern arbeite mit Therapeuten zusammen, deren Ausbildung und Arbeitsweise ich kenne und mit denen ich im laufenden Austausch über gemeinsame Patienten stehe.

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