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Foto: ÄK Wien
Dr. Martin Andreas Referent für arbeitslose Ärzte und Jungmediziner in der Ärztekammer Wien
 
Standpunkte 28. Februar 2012

Ärzte oder Hilfskräfte?

Die Ausbildungsmängel an den Kliniken und Krankenhäusern sind gravierend. Turnusärzte und Ärzte in Ausbildung werden zu 40 Prozent für Tätigkeiten herangezogen, die nichts oder nur peripher mit der Ausbildungsstruktur und den Qualifikationen zu tun haben, die sich die Jungmediziner im Zuge ihres Studiums erworben haben. Das wurde im Rahmen der repräsentativen Befragung erhoben.

Weitere 25 bis 30 Prozent der Turnusärzte geben in der Befragung an, für Dokumentationen, Administrationstätigkeiten und ähnliche Koordinationsarbeiten herangezogen zu werden, die ebenso von Stationsadministrationskräften erledigt werden könnten. Mehr als die Hälfte der auszubildenden Ärzte sagen außerdem, dass sie weder über Ausbildungsziele oder -strukturen informiert worden sind. Viele wissen gar nicht, wer für ihre Ausbildung zuständig und verantwortlich ist. Das sogenannte Rotationssystem funktioniert suboptimal.

Die Tatsache, dass Turnusärzte zu Tätigkeiten herangezogen werden, die von diplomierten Pflegekräften durchgeführt werden sollten, wie es auch im Arbeitspaket 07 – Rahmenleitlinie Medizin und Pflege – festgelegt wurde, ist nicht Schimäre, sondern bittere Wahrheit. Die Arbeitsbelastung pro Woche ist mit bis zu 80 Stunden derart hoch, dass den Jungärzten kaum Zeit für wissenschaftliche Forschung oder die Aneignung von weiterführendem Wissen bleibt. Auch das wurde in einer repräsentativen Studie der Ärztekammer im Jahr 2010 erhoben. Die Anleitung zu praktischen Tätigkeiten, wie sie im Beruf gefordert und im Turnusärzte-Tätigkeitsprofil vorgeschrieben werden, findet unregelmäßig statt.

Dadurch werden wichtige Fertigkeiten kaum vermittelt, abgesehen von der Verunsicherung, die Turnusärzte in kritischen Situationen haben. Die Gefahr besteht, dass Ärzte, die ein nahezu zehnjähriges Studium und Ausbildung hinter sich haben, mangelhaft auf Patienten vorbereitet werden, sowohl technisch als auch in der sozialen Kompetenz. Es ist höchste Zeit, endlich Alarm zu schlagen und dies zu verändern.

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