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Foto: ijoule
Martina Backhausen Diätologin und Ernährungs- beraterin der Plattform www.ijoule.com
 
Standpunkte 13. Februar 2012

Produkte im Handel sind keine „reinen Naturprodukte.

Mit Stevia gesüßte Fertigprodukte und voraussichtlich auch Getränke sind nicht notwendigerweise gesünder. Wie auch bei Produkten mit herkömmlichen Süßstoffen sollte beim Verbraucher nicht der Eindruck entstehen, dass solche Lebensmittel unbedenklich konsumiert werden können, da sie vermeintlich keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel oder das Gewicht haben. Grundsätzlich stimme ich der Warnung der Deutschen Diabetes-Hilfe zu, denn es gilt zu überlegen, wo und wie viel Zucker oder Süßstoff überhaupt verzehrt werden soll und muss.

Stevia ist praktisch energiefrei und wird daher für Verbraucher als eine attraktive Alternative zu den bisher üblichen, synthetisch hergestellten Süßstoffen angepriesen. Doch die Gewinnung und Verarbeitung von Stevia setzt im Regelfall chemische Prozesse voraus und die Verwendung von reinen Steviablättern als Lebensmittelzutat ist nach wie vor nicht erlaubt. Es gibt in der Verarbeitung noch eine Reihe von Herausforderungen, vor allem der ungewohnte, manchmal bittere oder pfefferminzähnliche Beigeschmack. Die Süßkraft von Stevia, die 200 bis 300-fach stärker als bei Zucker ist, ist tatsächlich beeindruckend.

Wichtig ist in der Diskussion aber darauf hinzuweisen, dass Zucker nicht grundsätzlich verdammt werden darf. Wie immer macht die Dosis das Gift! Zucker hat auch viele positive Eigenschaften – in Backwaren bietet er eine Art Gerüstsubstanz oder er karamellisiert bei Hitzezufuhr. In der Lebensmittelindustrie wird Stevia den Zucker nicht gänzlich ersetzen können, denn das Endprodukt ist durch die besonderen Eigenschaften von Zucker einfach ein völlig anderes. Zucker gehört zu den Kohlenhydraten, mit denen unser Körper jahrtausendlange Erfahrungen hat. Von den verschiedenen Zuckerersatzprodukten liegen zahlreiche Studien vor, dass sich der Geschmack wohl täuschen lässt, aber der Körper nicht, und auch bei künstlichen Ersatz von Zucker bleibt meist die Kohlenhydratzufuhr ähnlich hoch oder es tritt das Phänomen der Heißhungerattacken auf.

Willensstarke Menschen greifen wohl dann nicht zu Süßigkeiten, aber können zum Beispiel bei Brot nicht aufhören zu essen. Stevia ist aus meiner Sicht etwa eine tolle Möglichkeit als Zusatz für Kaugummis, aber als gänzlicher Ersatz für Zucker sicher nicht geeignet, denn es bleibt die Frage offen, ob die süße Gewohnheit und der süße Geschmack nicht immer mehr zum Verhängnis werden. An einem maßvollen Zuckerumgang führt für mich trotz Stevia kein Weg vorbei! Es kann vorteilhaft sein, zum Süßen anstelle von normalem Zucker Honig zu verwenden, beispielsweise in den Tee oder Kaffee. Einige Honigsorten, wie zum Beispiel Akazienhonig, bestehen nur etwa zu einem Drittel aus Glucose. Der andere Hauptbestandteil ist die nicht den Insulin-Stoffwechsel beeinflussende Fructose.

Hinzu kommt, dass Honig eine um etwa 40 % höhere Süßkraft besitzt. Allerdings muss auch hier vor einem deshalb erhöhten Konsum gewarnt werden. So wird zum Beispiel überschüssige Fructose im Leberstoffwechsel zu Körperfett umgewandelt.

Derzeit ist die Studienlage zu den Auswirkungen von Stevia noch nicht ausreichend bzw. zum Teil widersprüchlich.

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