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Foto: ÖDG
Prof. Dr. Monika Lechleitner Ärztliche Direktorin am LKH Hochzirl und Vorstandsmitglieder in der Österreichischen Diabetes Gesellschaft
 
Standpunkte 13. Februar 2012

Einschränkung der Zufuhr wünschenswert

Stevia ist ein Süßungsmittel, das aus der ursprünglich in Südamerika in Verwendung stehenden subtropischen Steviapflanze gewonnen wird. Durch einen Extraktionsprozess werden aus der Pflanze die Glycoside mit hoher Süßkraft gewonnen. Die sogenannten Steviolglycoside sind die hochreinen Süßstoffe mit einer Süßkraft, die bis zu 300-mal stärker als jene von Zucker ist. Der Geschmackseindruck ist lang anhaltend, kann von einem leicht bitteren und lakritzartigen Nebengeschmack begleitet werden und vermindert sich leicht während Koch- und Backvorgängen. Als Süßstoff ist Stevia nicht kariesfördernd.

Bedenken zur Zulassung haben sich aus tierexperimentellen Untersuchungen mit negativer Auswirkung auf die Fertilität ergeben. Steviolglycoside werden nach oraler Aufnahme im oberen Gastrointestinaltrakt praktisch nicht resorbiert und gelangen unverändert in die unteren Darmabschnitte, wo sie von der Darmflora zu Steviol hydrolysiert werden. Ein Großteil des Steviols wird im Kolon resorbiert und gelangt über die Pfortader zur Leber. Hier erfolgt eine Konjugation mit Glucuronsäure zu Steviolglucuronid, das bei Menschen primär über den Harn ausgeschieden wird. Die Zulassung in der EU seit Dezember 2011 bezieht sich auf die hochreinen Steviolglycoside, die Blätter der Pflanze enthalten über 100 pflanzliche Wirkstoffe, und beschränkt die täglich Zufuhr. Steviolglycoside sind als E 960 für die Verwendung in bestimmten Lebensmittel. Stevia stellt – in den genannten Zulassungen – eine Alternative zu synthetischen Süßstoffen dar.

Entsprechend der vorliegenden Datenlage sollten hochgereinigte Produkte Verwendung finden. Ein Vorteil von Stevia gegenüber dem Süßstoff Aspartam ist, dass Stevia temperaturstabil ist und somit auch zum Kochen und Backen verwendet werden kann. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit nimmt in ihrer Stellungnahme sehr klar Bezug zur Zulassung und den Begrenzungen, insbesondere auch hinsichtlich der erforderlichen Reinheit und niedrigen Verzehrmenge. Die Verzehrmenge von Stevia wurde auf 4 mg/kg Körpergewichts/Tag begrenzt. Die Vorgaben beruhen auf der Entscheidung der FAO-WHO-Expertenkommission zur Höchsteinnahmemenge, die wiederum auf den Zulassungsstudien über die gesundheitlich unbedenkliche Menge beruhen. Diskutiert wird, dass die Dosierungen in den tierexperimentellen Studien mit potenziell toxischen bzw. mutagenen Effekten für den Erwachsenen einer unrealistisch großen Menge von rund der Hälfte des Körpergewichts an frischen Steviablättern entsprechen. Stevia stellt eine kalorienfreie Süßstoffvariante mit hoher Süßkraft dar.

Wünschenswert ist grundsätzlich eine Einschränkung der Zufuhr an süßen Lebensmittel, die arm an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen sind, aber reich an Fettanteilen. Stevia für sich wird keine generelle Lösung des Adipositasproblems sein, kann aber helfen, Kalorien einzusparen. In tierexperimentellen Untersuchungen ergab sich der Hinweis auf eine Verbesserung der Insulin-stimulierten Glucoseaufnahme in die Skelettmuskelzelle. Bislang liegen nur begrenzt Ergebnisse über mögliche Effekte von Stevia auf die Insulinsensitivität bei Menschen vor.

 

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