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Christian Alexander Orasche Leiter der Universitätsvertretung (ÖH) an der MedUni Wien, Mitglied des akademischen Senats
 
Standpunkte 8. Februar 2012

Überlastet schon im Studium?

Der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission zur Verkürzung des Medizinstudiums von sechs auf fünf Jahre bei gleichbleibender Mindeststundenanzahl zeigt, wie ahnungslos Politiker in Brüssel Vorschläge von sich geben – gilt doch das Medizinstudium schon jetzt als eines der lernintensivsten Studien überhaupt. Bei einer Beibehaltung der 5.500 Gesamtstunden kommt man auf eine durchschnittliche Wochenstundenanzahl von über 30.

Da in diesen Stunden noch keine Lernzeit enthalten ist, wäre dies für sich selbst erhaltende Studierende, insbesondere solche mit Kind, eine weitere gravierende Hürde! Schon jetzt haben Medizinstudierende im Vergleich zu vielen anderen Studienrichtungen einen sehr hohen Anteil an Pflichtanwesenheit. Dass eine Reduktion der Jahresanzahl theoretisch möglich ist, zeigt der Studienplan an der privaten Paracelsus Universität in Salzburg. Hier umfassen das erste, zweite und dritte Jahr allerdings jeweils 40 Wochen, das vierte und das fünfte Jahr sogar 48 Wochen. Die klinische Famulatur hingegen aber lediglich 37 Wochen im fünften Jahr. Gerade in der jetzigen Reformphase, in der die praktische Ausbildung innerhalb des Studiums mit der Einführung eines österreichweiten Klinisch Praktischen Jahres an den staatlichen Medizinuniversitäten im letzten Studienjahr massiv ausgebaut werden soll, wäre eine Reduktion der Studienjahre mit einer Verschlechterung der praktischen Ausbildung verbunden und somit ein extremer Rückschritt.

Die Zusammenstauchung des Curriculums würde eine massive Verschärfung bestehender sozialer Probleme bedeuten. Weiters darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Medizinstudierende, wie alle anderen Studierenden auch, ihre Studienzeit zu einem gewissen Teil genießen dürfen sollen. Die Erhöhung der Wochenstunden wäre ohne Zweifel mit einem nicht geringen Verlust an Lebensqualität verbunden und gerade Medizinstudierende, denen ein Berufsleben mit bis zu 70 Wochenstunden und entsprechenden Belastungen bevorsteht, sollte man nicht noch zusätzlich belasten.

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