zur Navigation zum Inhalt
Foto: BMF
Mag. Friedrich Faulhammer Generalsekretär im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
 
Standpunkte 8. Februar 2012

Kritik sehr ernst nehmen

In der derzeitigen Diskussion steht zwar eine Verkürzung der Studienzeit im Zentrum, der Ausgangspunkt liegt aber in unterschiedlichen Interpretationen der Ärzterichtlinie 93/16/EWG. Die dortige Formulierung war Anlass für einige Missverständnisse. So wird die Mindestausbildungsdauer in sechs Jahren oder 5.500 Unterrichtsstunden ausgedrückt.

Es bestehen offenbar unterschiedliche Ansichten darüber, ob diese Kriterien zwei Optionen darstellen oder gemeinsam anzuwenden sind. Eine diesbezügliche Klarstellung scheint angebracht. Unbestritten ist die Qualität der Ausbildung in der Humanmedizin ein wichtiges Anliegen. Die Befürchtungen von Studierenden und Lehrenden hinsichtlich möglicher Qualitätsmängel aufgrund einer kürzeren Ausbildungsdauer sind daher sehr ernst zu nehmen. Die Frage ist, ob eine qualitativ hochwertige Ausbildung auch in einer kürzeren Studienzeit bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand überhaupt möglich ist.

In Österreich können wir auf ein Beispiel verweisen, bei dem sogar trotz einer höheren Anzahl als der vorgegebenen 5.500 Unterrichtsstunden eine tatsächliche Studienzeit unter sechs Jahren vorliegt. Das Diplomstudium an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg dauert zehn Semester und umfasst mehr als 8.000 Unterrichtsstunden, hat aber einen Arbeitsaufwand von 360 ECTS, dies entspricht zwölf Semestern. Die Erklärung dafür geben ein straffes Curriculum, längere Unterrichtszeiten sowie Lehrveranstaltungen, die auch über den Sommer abgehalten werden. Im damaligen Akkreditierungsverfahren als Privatuniversität wurde die Frage der Vereinbarkeit dieses Studiums mit der Ärzterichtlinie unter Einbeziehung internationaler Expertise geprüft und als gegeben befunden. Mit einer Verkürzung der derzeitigen sechsjährigen Studienzeit an den öffentlichen Universitäten unter Berücksichtigung gewisser Rahmenbedingungen muss also keine Verminderung der Qualität verbunden sein. Klarerweise müsste eine etwaige Adaption mit den Medizinischen Universitäten diskutiert werden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben