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Foto: Meduni Wien
Prof. Dr. Karin Gutiérrez-Lobos Vizerektorin für Lehre, Gender & Diversity der Medizinischen Universität Wien
 
Standpunkte 8. Februar 2012

Schon jetzt am Limit

Ärzte sollen fachlich exzellent, in wissenschaftlichem Arbeiten versiert, sozial kompetent und teamfähig sein. Die Medizinischen Universitäten haben in den letzten Jahren Reformcurricula etabliert, die diesen Anforderungen entsprechen. Sie beinhalten alle wichtigen Faktoren wie Wissen und Verständnis, klinische Fertigkeiten und Fähigkeiten, wissenschaftliches Know-how, kommunikative Kompetenzen, ärztliche Haltung und berufsrelevante Kompetenzen.

Der Fokus liegt auf Praxisnähe, die in Zukunft – etwa durch Einführung des „Praktischen Jahres“ – noch weiter ausgebaut werden wird. Angesichts der langen Dauer des Studiums und der nachfolgenden Facharztausbildung könnte eine Verkürzung des Studiums auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Für die Studierenden würde es jedenfalls eine weitere Komprimierung der Lernzeit unter Kürzung der Praxisteile und folgendem Qualitätsverlust bedeuten. Die Studienzeitverkürzung bei gleicher Stundenzahl würde auch mit erhöhter Lehrverpflichtung der Lehrenden einhergehen. Diese sind aber schon jetzt durch ihre Aufgaben in Lehre, Wissenschaft und Klinik am Limit. Auch eine Aufstockung der finanziellen Mittel für Lehrpersonal an den Unis ist nicht in Sicht. Insgesamt also ein schlechtes Zeichen für Status und Reputation von Studium und Lehre.

Die Förderung der individuellen und institutionellen Wertschätzung für Lehrende und Lernende muss künftig ebenso wie die Einheit und Gleichwertigkeit von Lehre und Forschung gestärkt werden und mehr interessieren als bloße Zahlenspiele wie die Verkürzung der Studienzeit. Die Qualität der Lehre hängt besonders vom Einsatz der Lehrenden ab. Sie können Begeisterung und Motivation auslösen. Gute Lehre lässt sich nicht verordnen, aber durch Anerkennung und Anreize fördern. Hier sind die Unis selbst, aber auch die Politik gefordert – durch Aufwertung der Lehre als Kernkompetenz der Unis, durch Zuteilung von definierten Ressourcen und Schaffung von kompetitiven Förderprogrammen ähnlich jenen für die Forschung.

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