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Foto: Archiv
Prof. Dr. Andreas Sönnichsen Vorstand des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, PMU Salzburg
 
Standpunkte 31. Jänner 2012

Patienten nicht verunsichern

Keine Diagnose kann hundertprozentige Treffsicherheit bieten, sie kann weder alle Erkrankungen erkennen, noch alle ausschließen. Kommt es im Rahmen der präoperativen Diagnostik, wo mehr untersucht wird als notwendig, zu Auffälligkeiten, so wird weiter untersucht. In vielen Fällen stellt sich dann der Verdacht ohnehin als unbegründet heraus, dennoch sind Patienten unnötig verunsichert. Es gibt keine Evidenz, dass die präoperative Diagnostik schadet, aber auch nicht, dass sie nützt.

Die einzelnen Empfehlungen in der Leitlinie basieren auf Erkenntnissen aus der besten aktuell verfügbaren Forschung, aus den ärztlichen Erfahrungen und aus internationalen Empfehlungen. Diese Methodik wird international von der Fachwelt als höchstes Qualitätskriterium anerkannt. In der Österreichischen Ärztekammer wird das nicht so gesehen. Hier wird gerade dieses transparente und ganzheitliche Verfahren kritisiert, mit dem Argument, dass eine Einengung der ärztlichen Entscheidungsfreiheit und Rationierung von Kassenleistungen zu befürchten ist. Doch das ist ja weder das Ziel noch die Auswirkung der Bundesqualitätsleitlinie. Wir schaffen damit Behandlungssicherheit für jene Ärzte, die in der Ordination oder im Spital ihre Patienten für Operationen vorbereiten.

Die Leitlinie ist nicht, wie von vielen befürchtet, eine Einengung, sondern sie ist vielmehr eine Empfehlung, die einen Korridor vorgibt, in dem sich der Arzt bewegen kann. Das dafür entwickelte Computerprogramm PROP zeigt die empfohlenen Untersuchungen an und soll den Ärzten vom Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung gestellt werden. Mithilfe von PROP steht ein simples Tool zur Verfügung, das es erlaubt, eingriffsspezifisch das Risiko zu beschränken, indem spezifische Fakten der Patienten im Sinne der Inividualmedizin eingebracht werden. Das Endergebnis ist ein Befund, bei dem die für diesen Patienten empfohlenen Untersuchungen vorgeschlagen werden.

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