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Foto: SALK
OA Dr. Gerhard Fritsch Universitätsklinik für Anästhesie, SALK, Leiter der ÖGARI Arbeitsgruppe „präoperatives Patientenmanagement“
 
Standpunkte 31. Jänner 2012

Risikoprofile unterschiedlich

Nur wenn wir wissen, wo ein Patient ein Problem hat, können wir auch gezielt unser präoperatives Management daran orientieren. Ein optimales Risikomanagement kann unmöglich für alle gleich sein, denn schließlich hängt es von der Art des Eingriffs und von der Konstitution des Patienten ab. Es muss doch einen Unterschied machen, ob ich einem jungen Sportler das Kreuzband operiere oder ein Diabetiker vor einer Darmoperation steht. Die verschiedenen Risikoprofile müssen auch die passenden Untersuchungen nach sich ziehen, und genau dafür sorgt die Diagnostik nach den Leitlinien.

Es liegt im Interesse der zu operierenden Patienten und der verantwortlichen Behandler, die Quellleitlinie wann immer möglich einzusetzen. Eine medizinische Leitlinie kann individuelle Maßnahmen nicht ersetzen und dient, wie der Name sagt, als Leitfaden. Bei besonderen und seltenen Risikofaktoren gibt es auch international kein standardisiertes Vorgehen nach Leitlinien. Der neue Diagnostikpfad wurde bereits im Rahmen des „Reformpoolprojektes präoperative Befunde“ im Bundesland Salzburg mit positiven Erfahrungen in die Praxis umgesetzt. Seit dem Jahr 2008 wurden hier fast 50.000 Patienten nach den vorgegebenen Kriterien erfolgreich präoperativ abgeklärt und auch die Patientenzufriedenheit war sehr hoch.

In Salzburg wurde durch den Wegfall von Doppelbefunden und überflüssigen Untersuchungen eine enorme Kosteneinsparung erzielt. Qualitätssteigerung plus Kostenreduktion: ein besseres Ergebnis gibt es wohl nicht. Für einen bundesweiten Roll-out und einen flächendeckenden Einsatz braucht es aber noch mehr, wie zum Beispiel systematische Reviews und Evidenz, die verfügbar ist, um die Qualität und die Sicherheit zu steigern. Es geht dabei auch nicht mehr allein um medizinische Pfade, sondern vielmehr um die Beschreibung von Versorgungsstrukturen, wie ein Weg bis zu einer Operation aussehen soll.

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