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Foto: Bernhard Bergmann
Dr. Reinhold Glehr Präsident der Österreichischen Ges. für Allgemeinmedizin
 
Standpunkte 24. Jänner 2012

Hausarzt wertschätzen

Die in dieser Umfrage bestätigte Wertschätzung des Hausarztes in der Bevölkerung ist aus Sicht der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin natürlich erfreulich. Darauf aufbauend sollte ein bonusgestütztes, auf Freiwilligkeit basierendes Hausarztmodell in einem Pilotversuch getestet werden. Die Bereitschaft der Patienten wird in einem hohen Prozentsatz zu finden sein. Die Erfahrungen aus den Nachbarländern zeigen, dass bei gleichbleibender Qualität beachtliche Kosteneinsparungen möglich sind.

Zu der Frage, ob „aufwändige“ Doppeluntersuchungen eher die Kosten als die Patientensicherheit erhöhen, fällt mir als Erstes ein, dass die entsprechende Frage in der Umfrage sehr suggestiv gestellt ist. Man könnte in gleicher Weise fragen, ob Zweituntersuchungen zur Verlaufskontrolle als sinnvoll erachtet werden. Auch hier wäre eine hohe Zustimmung zu erwarten. Es geht meines Erachtens bei den „Kostentreibern“ eher um primär nicht unbedingt notwendige Untersuchungen. Viele davon dienen vor allem der Absicherung. Auch wenig Wahrscheinliches soll ausgeschlossen werden, um eine eventuelle Klage zu vermeiden. Hier sollte vor allem der Zusammenhang mit dem Haftungsrecht in die Diskussion um die „aufwändigen“ Untersuchungen einbezogen werden. Einige Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes haben die Absicherungsmedizin vor allem bei primärem Kontakt mit dem stationären Bereich verstärkt.

Dies hat andererseits auch zur Beliebtheit von Selbstzuweisungen zu den Ambulanzen beigetragen, da die Patienten auch bei nicht bedrohlichen Beschwerden umfassend technisch untersucht werden und hier auch bereit sind, längere Wartezeiten beim Ambulanzbesuch in Kauf zu nehmen. Ob ein Weg zurück möglich ist, hängt nicht nur von den Ärzten, sondern vor allem auch von den Juristen ab und ist mit ELGA nicht in den Griff zu bekommen. Hier andere Steuerungsinstrumente einzusetzen wäre Aufgabe der Gesundheitspolitik, um die Kapazitäten der Ambulanzen für dringliche Untersuchungen und Behandlungen freizuhalten.

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