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Foto: Rechnungshof
Dr. Josef Moser Präsident des Rechnungshofs
 
Standpunkte 24. Jänner 2012

Zersplitterte Kompetenzen

Für den Rechnungshof ist es nicht überraschend, dass die Österreicher im Gesundheitsbereich die größte Reformnotwendigkeit sehen. Von den 599 Vorschlägen zur Verwaltungsreform, die der Rechnungshof Anfang Dezember 2011 vorgelegt hat, betreffen mehr als 70 die Bereiche Gesundheit, Pflege und Krankenversicherung. Aufgrund der komplexen, fragmentierten verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung und der intransparenten Finanzierungsstruktur stellen die zersplitterten Kompetenzen im Gesundheitswesen eine große Herausforderung dar.

Ergänzt durch Schnittstellenprobleme und eine zersplitterte Organisationsstruktur, führt dies dazu, dass vielfach nicht die Patienten im Mittelpunkt der Leistungserbringung stehen. Weitere Problembereiche sind das in Österreich bestehende Übergewicht im stationären Bereich, die mangelnde Leistungsabstimmung sowie die fehlende Transparenz im Bereich der Leistungen und der Vergütungssysteme. Wir geben zu viel Geld für die stationären Strukturen aus und haben zu wenige Ressourcen für die ärztliche Versorgung. Wir investieren zu viel für die Betten und haben zu wenige Ressourcen für die Prävention. Die Prüfung des Belegsmanagements in Akutkrankenanstalten mit dem Schwerpunkt „Procuratio-Fälle“ zeigte, dass durch eine bedarfsgerechtere Versorgung der Procuratio-Patienten in entsprechenden Pflegeeinrichtungen erhebliche Einsparungen erzielt werden können.

Derzeit erfolgt mangels ausreichender günstigerer Pflegebetten die Versorgung vielfach in den Krankenanstalten mit durchschnittlich höheren Kosten je Belagstag von rund 500 Euro. Eine weitere Prüfung zeigte, dass Patienten die präoperative Abklärung im niedergelassenen Bereich durchführen müssten, um Kosten bei den Krankenanstalten einzusparen. Zahlreiche nicht zwingend notwendige Befunde könnten vermieden werden.

Diese Beispiele belegen, dass Einsparungen bei den historisch gewachsenen Strukturen erfolgen müssen. Nicht wie in der Vergangenheit die Strukturen, sondern die Patienten sollen in Zukunft im Mittelpunkt stehen.

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