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Foto: Österr. Apothekerkammer
Mag. Leopold Schmudermaier Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer
 
Standpunkte 16. Jänner 2012

Arzneimittel in die Hand von Apothekern

Faktum ist: Medikamente sind in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union nicht teuer, sondern günstig. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Pharmaökonomische Forschung. Der Arzneimittelverkaufspreis pro Packung liegt bei 16,62 Euro inklusive Mehrwertsteuer. In Deutschland kostet eine Packung durchschnittlich 11 Euro mehr als in Österreich, nämlich 28,01 Euro, in Dänemark gar 38,20 Euro.

Die Österreichische Apothekerkammer teilt die Ansicht des WIFO nicht, dass durch eine Deregulierung des Marktes die Preise für rezeptfreie Medikamente weiter sinken würden. Es ist vielmehr wahr, dass in Österreich dank eines gut funktionierenden geregelten Abgabesystems die Arzneimittelpreise unterdurchschnittlich sind. Eine Deregulierung der Arzneimittelpreise würde ein hervorragend erprobtes System zerstören, ohne eine Preissenkung zur Folge zu haben. Aus vergleichbaren Ländern der Europäischen Union ist ersichtlich, dass die Arzneimittelpreise nicht sinken, wenn das Preissystem dereguliert wurde. Im Gegenteil, regulierte Abgabesysteme bei Medikamenten garantieren die höchstmögliche Qualität und Sicherheit bei günstigen Preisen.

Die Abgabe von Medikamenten muss an die Beratung durch einen Apotheker gebunden sein. Arzneimittel haben Wirkung und Nebenwirkung und sind keine Konsumgüter. Den Medikamentenkonsum künstlich durch eine Änderung der Vertriebswege anzukurbeln, ist gesundheitspolitisch äußerst bedenklich. Der Verbrauch von Arzneimitteln ist in Österreich relativ niedrig. Dies erklärt sich durch den vernünftigen Umgang und die einhergehende Beratung in der Apotheke.

Im internationalen Vergleich mit den EU-15 Ländern und der Schweiz liegt Österreich beim Verbrauch von Medikamenten im unteren Drittel. Wer fordert, dass Arzneimittel auch in Supermärkten erhältlich sein sollen, dient in erster Linie dem Handel und nicht der Gesundheit. Wir Gesundheitsberufe wissen, dass Kaufanreize wie Preisdumping oder Doppelpackungen bei Medikamenten zwar den Konsum erhöhen, aber nicht die Gesundheit verbessern.

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