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Foto: WIFO
Dr. Michael Böheim Industrie- und Wettbewerbsökonom, WIFO
 
Standpunkte 16. Jänner 2012

Gesetzgeber verneint die Mündigkeit

Eine im internationalen Vergleich äußerst strenge Apothekenpflicht, Gebietsschutz der Apotheken, die nicht zufällig schwache Information der Konsumenten über Preise und Konkurrenzprodukte sowie eine durchgehende Regulierung von Preisen und Spannen entlang der Wertschöpfungskette ließen eine ineffiziente Marktform entstehen, die durch das in der EU nicht übliche Verbot des Internetversandes zementiert wird.

Ansetzen könnte eine Wettbewerbsbelebung unter anderem an folgenden drei Punkten:

  1. Freigabe des Internethandels: Durch eine Legalisierung des Internethandels über konzessionierte Arzneimittelhändler würden Arzneimittel schlechter Qualität bzw. Fälschungen aus dem Internethandel zurückgedrängt, indem der Handel mit Produkten hoher Qualität bzw. Originalpräparaten institutionalisiert wird.
  2. Freigabe des Verkaufs von rezeptfreien Medikamenten: In Österreich ist die Abgabe von Arzneimitteln grundsätzlich nur über Apotheken zulässig. Zumindest für rezeptfreie Arzneimittel ist dieser gesetzliche Eingriff in die Wahlfreiheit des Konsumenten bezüglich der Bezugsquelle nicht konsistent. Indem der Konsument als mündig genug eingeschätzt wird, selbst (d. h. ohne Konsultation eines Arztes) darüber zu entscheiden, welches rezeptfreie Arzneimittel zur Selbstmedikation erworben wird, müsste der Konsument umso mehr in der Lage sein, zu beurteilen, wo dieses Arzneimittel sicher beschafft werden kann. Genau diese Mündigkeit hinsichtlich des Vertriebsweges „richtig“ zu entscheiden, verneint der österreichische Gesetzgeber aber, indem er den Konsumenten „zwingt“, rezeptfreie Arzneimittel ausschließlich in der Apotheke zu erwerben.
  3. Verpflichtung zur Preisauszeichnung: Da Arzneimittel vom Apothekenpersonal ausgehändigt werden, ist ein Produktvergleich äquivalenter Präparate nur erschwert, auf explizite Nachfrage, möglich. Durch eine vergleichsfördernde Preisauszeichnung und Angabe des preisgünstigsten Alternativpräparates auf der Rechnung wäre zumindest ex post (aber: ex ante bezogen auf den nächsten Einkauf) ein Preisvergleich möglich.

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