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MR Dr. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer
 
Standpunkte 14. Dezember 2011

Der Sinn von ELGA ist fraglich. Wenn, dann auf freiwilliger Basis von Patienten und Ärzten!

Die jahrelange ärztliche Erfahrung zeigt, dass über 90 Prozent aller Behandlungsvorgänge an Patienten in deren regionalen Versorgungseinheiten erfolgen, also durch Allgemeinmediziner, Fachärzte, private Krankenanstalten, Spitalsambulanzen bzw. Spitalsaufenthalte in dem Lebensraum, in dem sich ein Patient aufhält. Dieser Umstand zeigt eindrucksvoll, welche hohe Versorgungsdichte wir hier in Österreich erreicht haben und welche ganz besonders große Leistung unseres Gesundheitswesens damit gegeben ist.

In diesen regionalen Versorgungssystemen finden schon seit vielen Jahren elektronische Übermittlungen von Patientendaten im Zusammenhang mit Zu- oder Überweisungen an andere Fachärzte oder an andere Spitäler statt. Man nennt dies auch eine gerichtete elektronische Kommunikation. Darunter versteht man, dass Patientendaten anlass- und behandlungsbezogen auf elektronischem Wege, den Patienten begleitend und nur mit dessen ausdrücklicher Zustimmung, weitergegeben werden.

Nur durchschnittlich fünf bis maximal zehn Prozent aller medizinischen Behandlungen finden demgegenüber „exterritorial“ statt, das heißt außerhalb der eigentlichen Lebensregion der Patienten. Für diese exterritorialen Behandlungen also glaubt man nun, die sogenannte ungerichtete Kommunikation von ELGA – der elektronischen Gesundheitsakte – zu benötigen, wofür ein enormer, derzeit noch nicht einmal konkretisierbarer finanzieller Aufwand erforderlich wäre. Einen ganz ähnlichen – und mit dem österreichischen Vorhaben durchaus vergleichbaren – Versuch hat man Anfang des Jahres 2000 in großem Umfang in Großbritannien gestartet, um jetzt nach einem Milliardenaufwand erkennen zu müssen, dass das aufgebaute System nicht funktioniert und vielleicht auch gar nicht funktionieren kann.

Medizinisch sinnvoll kann hingegen die E-Medikation sein, speziell die Kenntnis der Vormedikation und möglicher Wechselwirkungen zwischen den verschriebenen Medikamenten. An einer entsprechenden Konzeption der E-Medikation hat die Österreichische Ärztekammer zwar mitgearbeitet, nicht aber an der anschließenden miserablen Durchführung, die der Hauptverband alleine zu verantworten hat und die das Projekt als solches in Frage stellt. Dennoch werden wir uns auch an der Evaluierung beteiligen, um zu retten, was noch zu retten ist.

Will man ELGA darüber hinaus entwickeln, so kann dies – in unser aller Interesse – angesichts des fraglichen medizinischen Nutzens nur auf Basis einer absoluten Freiwilligkeit der Teilnahme der Ärzte und Patienten, einer Sicherung der ärztlichen Verschwiegenheit, einer Klärung und Regelung aller haftungsrechtlichen Fragen sowie des notwendigen finanziellen Aufwandes funktionieren.

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