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Dr. Hans-Peter Steiner Inhaber und Ärztlicher Leiter des Instituts für In-vitro- Fertilisierung und Endokrinologie, Graz
 
Standpunkte 6. Dezember 2011

Der Weg in die Zweitklassigkeit

Vor wenigen Monaten erhielt ich von der KAGes eine Einladung, darüber nachzudenken, ob ich mir eine Beteiligung an einer neu zu strukturierenden IVF-Abteilung der Universitätsfrauenklinik Graz vorstellen könnte. Von wem diese verhängnisvolle Idee konkret stammt, konnte ich bis heute nicht herausfinden. Der Hintergrund dafür ist aber offenbar ein Auftrag der zuständigen Politik, Kosten einsparen zu müssen. Diese kann jedoch keinesfalls die Gefahren abschätzen, welche Konsequenzen diese Aktion für den Klinikstandort Graz hätte.

In Zeiten des dramatischen Geburtenrückgangs stellt ein solcher Einsparungsversuch einen drohenden Super-GAU für die Gesundheitspolitik der Steiermark dar. Die Überlassung der IVF-Abteilung an einen privaten „Investor“ würde sowohl Forschung als auch Lehre auf Eis legen und damit zu einem nicht abschätzbaren Schaden führen. Als Pionier auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin in der Steiermark sehe ich es daher als meine Aufgabe, ganz entschieden gegen diese Tendenzen aufzutreten, noch bevor derartige Entscheidungen auf dem Tisch der zuständigen Landesrätin landen und nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Um ein Absacken der Frauenklinik in die Zweitklassigkeit zu verhindern, ist aus meiner Sicht folgendes Vorgehen dringend notwendig: Das Departement Reproduktionsmedizin-IVF der Klinik muss erhalten und die dafür notwendigen Ärztestellen müssen kompetent nachbesetzt werden.

Bisher hatten Ärzte in der Facharztausbildung an der Frauenklinik Graz auf das Gebiet der Reproduktionsmedizin keinen Zugang. Ein Paradigmenwechsel ist dringend notwendig. Nur eine Klinik kann als Vorreiter durch Einführung der skandinavischen Embryo-Transfer-Politik mit dem sogenannten Single Embryo Transfer die in Österreich viel zu hohe Zahl von Mehrlingsgeburten mit all ihren gesundheitlichen Folgen wie Frühgeburtlichkeit etc. und finanziellen Belastungen eindämmen. Voraussetzung wäre eine Neuregelung der IVF-Fondsbestimmung mit Aufwertung des Kryo-Embryo-Transfers.

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