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Foto: Ludwig_Schedl
Mag. Ingrid Reischl Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse
 
Standpunkte 15. November 2011

Solidarität und Fairness

Die Vorwürfe der Tiroler Gebietskrankenkasse in Richtung Wien sind nicht neu, werden durch bloße Wiederholung aber nicht gewichtiger. Der Gesetzgeber sieht vor, dass beim Hauptverband ein Ausgleichsfonds einzurichten ist, der eine ausgeglichene Gebarung und ausreichende Liquidität der Gebietskrankenkassen gewährleistet. Für die Aufteilung der Gelder sind drei Aspekte entscheidend: mögliche strukturelle Probleme, die Liquidität sowie das Betreiben einer Krankenanstalt.

Die Wiener Gebietskrankenkasse führt mit dem Hanusch-Krankenhaus ein Schwerpunktkrankenhaus und Kompetenzzentrum, von dem die gesamte Sozialversicherung profitiert. Darüber darf nicht vergessen werden, dass die Finanzierung der Krankenanstaltenpflege mit über einem Drittel der Gesamtaufwendungen die finanziell bedeutendste Aufgabe der Krankenversicherungen ist. Somit ist es nur logisch und fair, dass dies im Ausgleichsfonds berücksichtigt ist. Der Faktor Liquidität schlägt insofern durch, als jenen Gebietskrankenkassen, die Schulden haben, geholfen wird. Sie sollen nicht durch zusätzliche Zinszahlungen belastet werden und ihre Schulden abbauen können. Bleibt die Struktur. Es ist im internationalen gesundheitspolitischen Diskurs unbestritten, dass die Gesundheitskosten in einer Großstadt höher sind als in ländlichen Gegenden. Dieser „Großstadtfaktor“ zeigt sich etwa an einem höheren Anteil chronisch Kranker oder an häufigeren Arztbesuchen älterer Menschen.

Zudem zieht die Anonymität der Großstadt Menschen mit Problemen an. Auch das führt zu einer Verlagerung der Gesundheitskosten. So kommen etwa psychisch Kranke, Menschen mit schwerwiegenden Diagnosen wie HIV, aber auch Drogenkranke aus ganz Österreich nach Wien, weil sie sich hier Hilfe erwarten, ohne erkannt und stigmatisiert zu werden. Als soziale Krankenversicherung ist es unsere Pflicht, all diesen Menschen zu helfen. Diese Solidarität und Fairness ist auch in finanziellen Angelegenheiten dringend gefragt.

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