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Prof. Dr. Werner Linkesch Leiter der Klinischen Abteilung für Hämatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin der MedUni Graz
 
Standpunkte 9. November 2011

Potenzial in regenerativer Medizin

Laut EUGH-Urteil müsse gemäß EU-Recht jede befruchtete menschliche Eizelle als menschlicher Embryo angesehen werden. Patente auf Erfindungen, bei denen menschliche Embryonen zerstört werden, wurden verboten. Die Wogen gingen hoch und deutsche Abgeordnete fordern bereits ein Verbot der gesamten embryonalen Stammzellforschung in der EU.

Britische Behörden erlauben aber erste Tests mit embryonalen Stammzellen am Menschen in Europa. Ein US-Unternehmen wird in einer Londoner Klinik 12 Menschen mit der Augenerkrankung M. Stargardt mittels embryonaler Stammzellen behandeln. M. Stargardt ist eine seltene Erkrankung der Netzhaut, die bei Jugendlichen zur völligen Erblindung führen kann. Rund 100.000 Menschen in Europa und USA sind davon betroffen. Unter Präsident Obama wurde die Nutzung neu gewonnener Stammzelllinien gestattet unter der Voraussetzung, dass sie von Embryonen stammen, die nach Behandlungen zur künstlichen Befruchtung in Kliniken ohnehin vernichtet worden wären.

In Österreich werden überzählige befruchtete Eizellen nach In-vitro-Fertilisation schon immer vernichtet. Die öffentliche moralische Entrüstung hielt sich in Grenzen. Studien mit induzierten pluripotenten Stammzellen (IPS) konnten zeigen, dass sich aus menschlichen IPS-Zellen Zellen aller drei Keimblätter gewinnen lassen. Zellen aus Gewebe wie Leber oder Pankreas können nach erfolgreicher Reprogrammierung zur Pluripotenz umprogrammiert werden. Im Vergleich zu embryonalen Stammzellen treten bei der Herstellung von IPS-Zellen aus Körperzellen weit weniger ethische Probleme auf, therapeutisches Klonen oder In-vitro-Fertilisation ist nicht notwendig.

Eine klinische Anwendung der Methoden erscheint noch verfrüht zu sein, da die Gefahr der Bildung von Teratomen und anderen Tumoren einfach noch zu groß ist. Für das Studium bestimmter Krankheiten hat die IPS-Methode an Bedeutung gewonnen. Die Forschung an adulten Stammzellen birgt noch Potenzial im Bereich der regenerativen Medizin.

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