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Dr. Christiane Druml Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt
 
Standpunkte 9. November 2011

Verlierer: Europäische Patienten

Die Tragweite dieses sperrig formulierten Urteils des Europäischen Gerichtshofes vom 18. Oktober 2011 wird sich erst weisen und muss intensiv diskutiert werden. Die Entscheidung ist jedenfalls unübersichtlich, vermischt rechtliche mit ethischen Aspekten und verweist letztendlich in der zentralen Frage auf das nationale Recht der einzelnen Mitgliedsstaaten. Eines kann aber definitiv jetzt schon gesagt werden: Das Urteil trägt weder zur Rechtssicherheit in Europa noch zur Förderung der europäischen Forschung bei.

Europäische Wissenschaftler befürchten, dass ein ganzer Forschungszweig aus Europa verschwinden wird. Gewinner dieser Entwicklung wären die USA und Asien. Verlierer wären nicht nur die europäischen Forscher, sondern auch die europäischen Patienten. Ist durch das Patentverbot aber jetzt tatsächlich die „Menschenwürde“ besser geschützt? Ich glaube nicht. Bereits 2009 haben wir in unserer Stellungnahme zur humanen embryonalen Stammzellforschung mehrheitlich empfohlen, dass eine Verwendung befruchteter Eizellen für hochrangige Forschungsvorhaben unter strengsten Vorgaben und Regeln möglich sein sollte. Dies unter der Voraussetzung, dass die befruchteten Eizellen nicht mehr für die künstliche Fortpflanzung benötigt werden und sonst vernichtet werden müssten.

Für Forschung muss es klare Vorgaben mit inhaltlichem und „geografischem“ Weitblick geben. Wissenschaftler sind international vernetzt, Resultate und Erfolge durch unsere moderne Kommunikation sofort überall abrufbar. Wir haben keine Mauer rund um Österreich und auch nicht rund um Europa. Ergebnisse der Stammzellenforschung, wie beispielsweise der derzeitigen klinischen Studien am Moorfields Eye Hospital in London gegen eine bis dato unheilbare erbliche Erkrankung, müssen gegebenenfalls allen Menschen zugutekommen können. Wenn wir in Europa diesen Forschungsbereich nicht unterstützen wollen, dann muss uns auch klar sein, dass wir von allfälligen Erfolgen nicht profitieren dürfen.

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