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Mag. Berthold Cvach Geschäftsführer der Astellas Pharma Ges.m.b.H.
 
Standpunkte 25. Oktober 2011

Rückläufiger Trend

Wenn die Politik meint, Europa sei an einem kritischen Punkt angekommen, so wird sie dafür gute Gründe haben, ebenso wie für ihre Kritik, mit Antibiotika würde zu freizügig umgegangen. Ich kann das weder bestätigen noch bestreiten, dazu fehlen mir valide Daten. Aber selbst für den Fall, dass europaweit hohe Residenzen durch einen überzogenen Einsatz von Antibiotika entstanden sind, so muss das nicht automatisch auf Österreich zutreffen. Und das tut es aus meiner Sicht auch nicht.

Ich kenne jedenfalls keinerlei Fakten, die diese These untermauern würden. Ich kann in den kritischen Chor seitens der Politik also nicht miteinstimmen. Nach meiner Erfahrung gehen Österreichs Ärzte heute äußerst verantwortungsvoll mit dem Thema um. Auch verfügen sie über das entsprechende Wissen. Mag sein, dass das in früheren Zeiten nicht immer so war und hier auch unkritisch und unbedacht verschrieben wurde. Inzwischen ist das aber sicher nicht mehr der Fall. Ganz im Gegenteil, die Ärzte sind ausgesprochen vorsichtig und zurückhaltend geworden.

Allein im letzten Jahr gab es etwa Rückgänge bei den verordneten Antibiotika-Einheiten von 2,7 Prozent im Spital, 1,5 Prozent in öffentlichen Apotheken und 3,5 Prozent in Hausapotheken. Ein weiterer Beleg für einen verantwortungsbewussten Umgang unserer Ärzte stellt die Tatsache dar, dass die heimischen Krankenhäuser eine der niedrigsten MRSA-Raten (Methicillin-resistant Staphylococcus aureus) in Europa haben und diese Raten in den letzten Jahren tendenziell zurückgehen. Aber natürlich lassen sich immer noch Verbesserungen erzielen. Hier ist vor allem auch die Industrie gefordert.

Wir zum Beispiel werden im kommenden Jahr ein neues Antibiotikum herausbringen – Fidaxomicin –, das ganz gezielt und ausschließlich gegen einen bestimmten Keim wirkt, in diesem Falle gegen Clostridium difficile. Das könnte ein zukünftiger Entwicklungsweg sein: Weg vom Breitband-Antibiotika und hin zu einem gezielten „chirurgischen“ Einsatz von ganz spezifisch wirkenden Antibiotika.

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