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Prof. Dr. Florian Thalhammer Klinische Abteilung für Infektionen & Tropenmedizin, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MedUni Wien
 
Standpunkte 25. Oktober 2011

Informationsbedarf gegeben

Beispiel Borreliose: Kommt der Patient mit einem frisch aufgetretenen Erythema chronicum migrans, benötigt er über zehn bis 14 Tage Doxycyclin – unabhängig von jeglicher Borrelienserologie. Kommt der beschwerdefreie Patient mit zahlreichen Befunden zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgenommener Borrelienserologien, ist die Gabe eines Antibiotikums kontraproduktiv und eigentlich gefährlich, Schlagwort: potenzielle Nebenwirkungen.

Beispiel Infektionen des Respirationstraktes: Mehr als 90 Prozent aller akuten Bronchitiden sind viraler Genese, drei Viertel der verschriebenen Antibiotika werden bei Infektionen des Respirationstraktes eingesetzt. Hier sind unnötige Antibiotikatherapien dabei. Beispiel asymptomatische Bakteriämie: Die beschwerdefreie Diabetes-mellitus-Patientin, welche im Rahmen einer Routinekontrolle 105 E. coli im Harn hatte, bedarf keiner Antibiotikatherapie. Erfahrungsgemäß werden Patienten mit asymptomatischer Bakteriurie zu häufig mit Antibiotika behandelt.

Die drei Beispiele zeigen, wie vielschichtig das Problem ist, da nicht nur wir Ärzte zu freizügig Antibiotika verschreiben, sondern auch der Druck vonseiten der Patienten besteht, eine antimikrobielle Therapie zu erhalten. Die Auseinandersetzung mit dem fordernden Patienten ist mühsamer und zeitraubender als das Ausstellen eines entsprechenden Rezeptes. Fortbildungsveranstaltungen zu Infektionen und deren Therapie (Beispiel „Giftiger Samstag“) sind seit Jahren extrem gut besucht, da offensichtlich Informationsbedarf besteht. Die Gefahr der Resistenzbildung ist den Ärzten bekannt, nicht jedoch immer der Weg, um diese zu vermeiden.

Der sinnvolle Umgang mit Antibiotika kann erlernt werden, weshalb auch das Ziel der europäischen Gesundheitspolitik ist, die Senkung des Antibiotikaverbrauchs unbedingt zu erreichen, um zu verhindern, dass wir nicht an unbehandelbaren Bakterien unsere Patienten verlieren. Dass es realisierbar ist, wurde schon mehrmals gezeigt, siehe etwa Makrolide und Streptokokkenempfindlichkeit in Nordeuropa.

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