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Prof. Dr. Konrad Brustbauer Wiener Pflege- und Patientenanwalt
 
Standpunkte 18. Oktober 2011

Vertrauensverhältnis nicht belasten

Den Kassen ist es unbenommen, gegen Missbrauch vorzugehen. Man sollte dabei aber zuerst bei der Person recherchieren, wo ein solcher Missbrauch vermutet wird. Ehe man Patienten vorlädt, sollten alle anderen Aufklärungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Abrechnungsfragen sind zuerst zwischen Arzt und Kasse zu erörtern. Der Einbeziehung von Patienten bedarf es nur, wenn anders keine Aufklärung möglich ist, also im Ausnahmefall des dringenden Missbrauchsverdachtes.

Allerdings gibt es seltene Fälle, in denen Patienten Abrechnungsmissbrauch oder unüblichen Arzneimittel- oder Behandlungseinsatz vermuten und von sich aus darauf aufmerksam machen. Es macht einen Unterschied, ob ein Patient aktiv zur Aufklärung beiträgt, weil er selbst Verdacht schöpft, oder ob er von der Kasse vorgeladen wird, aber gar nichts davon weiß, dass hinter seinem Rücken möglicherweise missbräuchlich Leistungsabrechnungen erfolgt sind.

Dann wäre noch der Fall einer missbräuchlichen Inanspruchnahme durch einen Patienten selbst. Dazu müsste auch der Arzt, der die Leistung verordnet, hinters Licht geführt werden und der Patient über ein Motiv (etwa Sucht) und über sehr gute medizinische Fachkenntnisse verfügen. In der Praxis ist das wohl die Ausnahme.

Über die Ermittlung der Schadenshöhe bei Leistungsmissbrauch kann die Patientenanwaltschaft keine Feststellungen treffen, weil sie damit nicht befasst ist. Sie hat aber Interesse daran, dass kein Missbrauch von Kassenleistungen erfolgt, der zu Lasten der Solidargemeinschaft der Versicherten geht. Dazu bedarf es wirksamer Kontrollen. Dieser Mechanismus soll aber nicht das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten unnötig belasten, sondern vom Gedanken der Prävention und dem Aufzeigen von Fehlerquellen geleitet sein. An eine Vorladung des Patienten ist in dieser Angelegenheit zwischen Arzt und Kasse erst ganz zuletzt zu denken. Auch in anderen Prüfverfahren wird üblicherweise zuerst die Befragung Betroffener und erst dann – falls nötig – von Auskunftspersonen vorgenommen.

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