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Foto: Ärztekammer für Wien
MR Dr. Norbert Jachimowicz Stellvertretender Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien
 
Standpunkte 18. Oktober 2011

MEP – Misstrauen, Entmündigung und Provokation?

Sie gehört zur Wiener Gebietskrankenkasse, trägt den klingenden Namen „Abteilung für Missbrauch, Entdeckung und Prävention“ und hat sich zum Ziel gesetzt, uns Ärzten streng auf die Finger zu schauen. Es gilt, „Auffälligkeiten“ in unseren Abrechnungen und „Missstände“ bei unseren Verordnungen aufzudecken. Dass die Gebietskrankenkasse bis zu einem gewissen Grad darauf achten muss, dass wir Ärzte als ihre Vertragspartner ökonomisch arbeiten und keinen Missbrauch bei der Verordnung von Medikamenten betreiben, ist an und für sich nicht zu verurteilen. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist leider jedoch alles andere als partnerschaftlich und seriös.

Immer wieder müssen sich Kollegen in letzter Zeit mit den abenteuerlichsten Anschuldigungen herumschlagen. Da fällt ein Arzt bei seiner Abrechnung „negativ“ auf, weil er eine bestimmte Leistung öfter verrechnet hat als andere Kollegen desselben Fachs. Die Abteilung MEP schlägt sofort Alarm. Und was tut die Kasse, um etwaige Unklarheiten oder Zweifel auszuräumen? Sie kommt nicht auf die Idee, sich an den Arzt direkt zu wenden. Stattdessen werden hinter seinem Rücken seine Patienten befragt, ob sie die bestimmte Leistung auch tatsächlich erhalten hätten. Antworten dann von 100 Patienten 85 gar nicht, 10 mit „ja“ und 5 mit „ich kann mich nicht erinnern“, entsteht laut Milchmädchenrechnung der Krankenkasse eine Schadenssumme von einem Drittel. Und das, obwohl keinerlei Beweise vorliegen, wie oft die bestimmte Leistung tatsächlich erbracht oder nicht erbracht worden ist!

So wie die Abteilung MEP vorgeht, müsste sie in Abteilung für „Misstrauen, Entmündigung und Provokation“ umgetauft werden. Wir sprechen uns nicht nur vehement gegen deren Terror-Methoden aus, die die Ärzte massiv unter Druck setzen und das Vertrauen der Patienten nachhaltig gefährden, sondern fordern seitens der Wiener Gebietskrankenkasse einen partnerschaftlichen Dialog, wenn es wirklich einmal zu Unklarheiten kommt. Denn wie heißt es so schön? Der Ton macht die Musik!

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