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Foto: Mag. Renate Haiden
Gertrude Z., 71 Pensionistin aus Wien
 
Standpunkte 27. September 2011

Das Ergebnis zählt

Um ehrlich zu sein, habe ich von der Kampagne noch nicht viel gehört. Man liest ja immer wieder von Pflegenotstand, überlasteten Ärzten und vielen Burn-out-Kranken gerade in der Medizin. Ob das Problem jetzt gerade in einem Spital größer ist als in einem anderen Job, kann ich nicht genau sagen. Stress im Job kennen ja wohl alle. Ich bin schon überzeugt, dass das Pfelgepersonal oder Ärzte nicht faul sind oder langsam arbeiten oder keine Lust haben. Ich könnte mir vorstellen, dass einfach zu viel bürokratischer Aufwand zur Verwaltung der vielen Patienten notwendig ist. Allein die Zettelwirtschaft bei der Aufnahme oder Entlassung im Krankenhaus, da frag ich mich oft: „Muss das sein?“ Offensichtlich gibt es zu viele Patienten für zu wenige Ärzte, vor allem für die guten Ärzte. Denn wenn wir ehrlich sind: ich gehe doch lieber zu einem, der sich ein wenig mehr Zeit für mich nimmt und zuhören kann. Dass er damit für sich selbst noch mehr Stress produziert, ist tragisch, solange ich es nicht merke, stört es mich aber nicht.

Mehr Menschlichkeit klingt grundsätzlich interessant. Wenn ich näher darüber nachdenke, dann steht es für mich aber außer Frage, dass Menschlichkeit ein wichtiger Teil der medizinischen Versorgung sein soll, schon jetzt, auch ohne Werbung dafür zu machen. „Unmenschlich“ habe ich die Versorgung in einem Krankenhaus, wo ich die letzten Jahre öfter war, nie gefunden. Ich erwarte mir, nachdem ich viele Jahre lang im Erwerbsleben gestanden bin und auch finanziell entsprechende Beiträge geleistet habe, einen gewissen Versorgungsstandard, wenn ich in ein Krankenhaus komme oder überhaupt, wenn ich ärztliche Hilfe brauche. Ich will nicht lange warten, ich will das Gefühl haben, dass sich jemand mein Problem anhört, dass ich alle Untersuchungen bekomme, die hilfreich sind, und dass meine Krankheit ernst genommen wird. Wie viel Menschlichkeit da nötig ist, muss wohl jeder Mitarbeiter im Spital für sich selbst entscheiden. Aber ich gehe davon aus, wenn sich jemand einen Beruf aussucht, der mit Menschen zu tun hat, dann bringt er diese Portion Interesse ja hoffentlich mit. Nur des guten Geldes wegen wird niemand Pfleger oder Arzt. Es gibt sicher kein Maß an „genug Menschlichkeit“, nach dem sich alle richten müssen. Ob das mehr oder weniger kostet und was dazu nötig ist, weiß ich auch nicht. Und welches Personal da dahintersteckt, um etwa einen Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten, das weiß ich auch nicht. Für mich ist das Ergebnis wichtig und ich vertraue schon darauf, dass sich unsere Politiker und die Chefs in den Spitälern überlegen, wie sie das auf die Reihe bringen.

Das österreichische Gesundheitssystem ist – so glaube ich – im Vergleich zu anderen Ländern ein sehr gutes. Natürlich gibt es immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten. Was ich jetzt nicht verstehe und mir auch nicht vorstellen kann, ist, dass das System kurz vor dem Kollaps steht. Was genau heißt das? Sperren dann alle Krankenhäuser zu, habe ich dann keinen praktischen Arzt mehr oder bekomme ich in der Apotheke keine Medikamente mehr?

Ich werde diese Diskussion jetzt sicher genauer verfolgen, aber vorläufig macht es mir fast ein bisschen Angst, wenn erzählt wird, dass das System nicht mehr lange funktionieren wird. Was kann ich dazu beitragen, dass es besser wird? Und was kommt nach diesem drohenden Kollaps?

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