zur Navigation zum Inhalt
Foto: KA Rudolfstiftung
Dr. Kurt Frey KA Rudolfstiftung, Mitglied des Dienststellenausschusses, FSG
 
Standpunkte 27. September 2011

Win-win-Situation für alle

Jeder von uns weiß, dass mit öffentlichen Ressourcen sparsam umgegangen werden muss, und tut dies generell auch. Sparmaßnahmen, in einem Gesamtkonzept im Dialog mit der Kollegenschaft erarbeitet, können gegebenenfalls sogar einen Zugewinn bringen. Die derzeitige Technik „Einsparung, komme was wolle“ muss bekämpft und gestoppt werden. Wir müssen den Einsparungen ein Ende setzen. Der Arbeitsdruck für das Personal hat aufgrund von Streichungen und unterlassenen Nachbesetzungen eine unerträgliche Dimension erreicht.

Die HG II und ihre Mitglieder sehen keine andere Möglichkeit zur Rettung des Wiener Gesundheitssystems, als mit einer Kampagne aktiv zu werden. Dass Menschlichkeit in unserem Beruf selbstverständlich ist, hoffen wir alle, doch die Praxis zeigt, dass sie selten so gelebt werden kann. Und das liegt nicht an den einzelnen Ärzten, Schwestern oder Pflegern, sondern an der Organisation. Hier haben sich über Jahrzehnte Verhältnisse eingeschlichen, die eine menschenwürdige Arbeit und eine ebensolche Patientenversorgung nicht mehr möglich machen.

Wir haben wirklich Angst, dass wir keine adäquate Versorgung mehr anbieten können, und das wollen wir auch der Bevölkerung rechtzeitig mitteilen. Ich bin überzeugt, dass Ärzte, Pflegekräfte und alle weiteren Beschäftigten heilen und helfen wollen. Doch der Arbeitsdruck in den Spitälern, Dienststellen und Pflegewohnhäusern ist unmenschlich geworden. Wo der Sparzwang regiert, verlieren alle. Wir brauchen ausreichend Personal, Zeit für unsere Arbeit. Davon profitieren alle: Patienten, Pflegebedürftige, Angehörige und Beschäftigte. Damit aber auch alle davon wissen, wollen wir auf der Straße, in der Fußgängerzone, vor dem Spital oder der Dienststelle aktiv werden und die Öffentlichkeit auf die fatale Situation, die in unserem Gesundheitssystem herrscht, aufmerksam machen. Darüber hinaus werden auch betriebliche Aktionswochen folgen. Auf Facebook haben wir bereits über 600 Unterstützer gefunden.

Die Aktionen sind auf Langfristigkeit angelegt. Es geht um nichts weniger als um die Zukunftsfähigkeit des guten Gesundheitssystems, nicht zuletzt auch angesichts der bevorstehenden demografischen Veränderungen.

Wir fordern unter anderem eine Qualifizierungsoffensive. Um eine Versorgung mit der nötigen Qualität zu erzielen, bedarf es gut ausgebildeter Gesundheits- und Sozialberufe, Hand in Hand geht eine Arbeitsplatzqualitätsoffensive, wo besonders den psychischen Belastungen verstärkt auf den Grund gegangen werden muss.

Veränderungen in der Arbeitsorganisation sind schließlich der dritte Eckpfeiler. Aus der Tatsache, dass zu wenig qualifiziertes Personal zur Verfügung steht und Personalbedarfsrechnungen nicht existieren oder nur unflexibel angewendet werden, ergeben sich für die Betroffenen eine Reihe von schwerwiegenden Problemen, wie etwa die Nichteinhaltung des Arbeitszeitgesetzes, mangelnde Planbarkeit der Freizeit, Unvereinbarkeit von Beruf und Familie oder hohe Unzufriedenheit durch nicht erfolgtes Lob oder Gratifikationen. Wir wollen nicht schwarzmalen, uns geht es in erste Linie um eine breite Bewusstseinsbildung und wir hoffen, dass den Signalen zur Gesprächsbereitschaft auch wirklich praktisch umsetzbare Maßnahmen folgen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben