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Foto: M. Prandl
Mag. Andreas Gatsch Sozialmedizinischer Dienst, Amt der Salzburger Landesregierung
 
Standpunkte 21. September 2011

Folgeschäden treten nicht nur bei den Erkrankten auf

Wir sind auf die aufsuchende Betreuung von Suchtkranken, im Wesentlichen sind es Alkoholkranke, spezialisiert. Das heißt, wir gehen in Arztpraxen und interne Abteilungen von Krankenhäusern und suchen dort Menschen auf, von denen man annimmt, dass sie ein Alkoholproblem haben. Durch diese Vorgangsweise sehen wir bei unserer Arbeit auch sehr gut in die betroffenen Familien hinein und wissen, welche Folgeschäden – nicht nur beim Erkrankten selbst – auftreten.

Ein gesamtgesellschaftlicher Aspekt, dem noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die Problematik von Kindern und Jugendlichen in alkoholbelasteten Familien. Sie haben ein weitaus höheres Risiko, selbst suchtkrank zu werden oder an Entwicklungsstörungen zu leiden. Sind beide Elternteile suchtkrank oder komorbid und kann die Krankheit nicht zum Stillstand gebracht werden, ist der Schaden deutlich größer. Alles, was daher in der Sekundärprävention bei Erwachsenen passiert, ist sozusagen auch gleichzeitig Primärprävention bei Kindern.

Ganz wichtig ist mir, dass wir uns hier mit Einrichtungen, die für Kinder und Jugendliche zuständig sind, intensiv vernetzen. Es geht in erster Linie gar nicht so sehr um die völlige Abstinenz der Abhängigen, sondern erst einmal um Schadensminimierung in der Familie. Auf freiwilliger Basis allein geht das nicht immer. Kaum ein Alkoholkranker beschließt wirklich völlig freiwillig, eine Therapie zu beginnen. Erst wenn ein gewisser Druck da ist, sei es vom sozialen Umfeld, vom Arbeitgeber oder der Familie, dann wird der Schritt gemacht. In weiterer Folge ist es die Aufgabe der Therapie, die Motivation und Krankheitseinsicht zu steigern. Wir können nur die Basis dafür schaffen. Helfen würden uns dabei sehr breit angelegte Maßnahmen, die jetzt schon ihre Wirkungen zeigen, wie etwa das restriktive Vorgehen im Straßenverkehr. Insgesamt brauchen wir mehr Akzeptanz für eine abstinente Lebensweise.

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