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Foto: L. Rusch
Renate Römer Obmann, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)
 
Standpunkte 21. September 2011

Verhaltensprävention geht immer alle Beteiligten an

Die Kernaufgabe der AUVA ist die Prävention von Arbeitsunfällen, die in Österreich derzeit rund 12 % aller Unfälle ausmachen. Dass sich übermäßiger Alkoholkonsum und Arbeitswelt nicht gut vertragen, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Mehr als zwei Drittel der Alkoholkranken sind arbeitslos, der Großteil von ihnen ist im arbeitsfähigen Alter zwischen 25 und 55 Jahren. Ein Umstand, der enorme Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft nach sich zieht. Alkoholkranke sind zu einem höheren Prozentsatz in Pension als der Durchschnitt in Österreich, sie verursachen um 3,5-mal mehr Arbeitsunfälle als nicht Alkoholisierte und der Schweregrad der Unfälle ist bedeutend höher. Betroffene sind 2,5-mal häufiger in Krankenständen, und diese dauern länger. Sind sie am Arbeitsplatz, erbringen sie dort im Schnitt um 25 Prozent weniger Leistung, sorgen für ein schlechteres Betriebsklima und weniger Leistungsfähigkeit im Team.

Die AUVA gibt pro Jahr 73 Millionen Euro für Prävention aus und kommt damit dem gesetzlichen Auftrag zur Vermeidung von Arbeitsunfällen primär im technischen Bereich nach. Wir wissen aber auch, dass sichere Maschinen allein nicht reichen, daher haben wir für das kommende Jahr zehn Prozent des Budgets für die Verhaltensprävention dotiert. Ich würde mir vor allem wünschen, dass sich nicht nur die AUVA und einige wenige Versicherungsträger an den Kosten für Prävention und Aufklärung beteiligen.

Wir haben den ersten Schritt in unserem eigenen Haus gemacht: Seit dem Vorjahr gibt es eine Betriebsvereinbarung, die den Umgang mit allen Formen der Abhängigkeiten regelt. Das hat dazu geführt, dass das Thema auf dem Weg zur Entstigmatisierung ist. Kollegen kaschieren nicht mehr im Team die Probleme, es wird offen darüber gesprochen, und das bietet Betroffenen die Chance, Hilfe anzunehmen.

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