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Foto: M. Prandl
Prof. Dr. Michael Musalek Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Vorstand Anton-Proksch-Institut
 
Standpunkte 21. September 2011

Suchtkliniken haben ein grundsätzliches Imageproblem

Das Anton-Proksch-Institut als größte Suchtklinik Europas hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Formen der Sucht bis hin zu so genannten nicht stoffgebundenen Suchtformen wie Spielsucht oder Internetsucht zu erforschen und zu behandeln. Und wir wissen, dass sich in den letzten Jahren bei der Behandlung der Suchterkrankungen sehr viel verändert hat. Wir haben für Alkoholkranke bessere Möglichkeiten in der Therapie und für Patienten, die therapiert werden, stehen die Chancen bei 70 bis 80 Prozent, dauerhaft abstinent zu bleiben und keine weiteren Folgeerkrankungen zu erleiden.

Ohne entsprechende Behandlung liegt der Wert lediglich bei zehn bis 15 Prozent. Obwohl die Erkrankung sehr gut behandelbar ist, werden die Angebote nicht ausreichend in Anspruch genommen, weil das Problembewusstsein fehlt und die Erkrankung hoch stigmatisiert ist. Auch Suchtkliniken haben keinen besonders guten Ruf und wirken für Hilfesuchende eher abschreckend, zumal die völlige Abstinenz ein wenig motivierendes Zielbild ist. Damit die vorhandenen Angebote greifen und neue Maßnahmen entwickelt werden können, brauchen wir eine Entstigmatisierung der Erkrankung und der behandelnden Institutionen. Wir brauchen auch neue Behandlungsformen, die attraktiver sind als die völlige Abstinenz und die den Menschen ein freudvolles und selbstbestimmtes Leben vermitteln, in dem Alkohol keine zentrale Rolle spielt.

Dem zugrunde muss ein öffentlicher Diskurs liegen, der Alkoholabhängigkeit als ernst zu nehmende und schwere Erkrankung anerkennt und auch die Behandlungsmöglichkeiten aufzeigt. Ein Baustein hin zu einer Lösung ist, die Verfügbarkeit von Alkohol zu reduzieren, etwa in Betriebskantinen, und den verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema in der Werbung zu forcieren. Die Weinindustrie macht es bereits vor: Es werden nur mehr kleine Gläser abgebildet, und die in Verbindung mit Essen, das induziert Genuss in kleinen Dosen.

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