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Foto: Markus Prantl
Dr. Klaus Vavrik Präsident der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit
 
Standpunkte 13. September 2011

Kinder sind nicht das Problem, sie haben ein Problem!

Kein Bursche fällt als „15-jähriger gewaltbereiter Trinker“ vom Himmel und kein Mädchen wird als „rauchende und essgestörte 14-Jährige“ geboren. Sie alle haben eine Entwicklungsgeschichte, das heißt eine ganz spezifische Biografie dorthin. Solche Kinder und Jugendlichen sind nicht das Problem, sie haben ein Problem. Das Wesentliche an diesem Gedanken ist: Auf diese Entwicklungsgeschichten können wir Einfluss nehmen, um diese Biografien müssen wir uns kümmern und möglichst frühzeitig und gezielt Hilfe anbieten, wenn wir unsere Verantwortung als Gesellschaft wahr- und ernst nehmen möchten.

Die klassische österreichische Kindermedizin ist auf einem guten Niveau, doch können wir tatsächlich wenig Auskunft über einzelne Bereiche geben und erst recht nicht über ihre Entwicklung, denn dazu fehlt es an der notwendigen Datenlage. Am Anfang muss die Verbesserung der Prävention stehen, beispielsweise mit dem international etablierten System der frühen Hilfen als „psychosoziales Frühwarnsystem“. Bei rund fünf bis zehn Prozent aller Kinder gibt es Risikokonstellationen in der Familie, wie Armut oder Gewalt, die dazu führen, dass die Probleme dieser Kinder einen Arzt gar nicht erst erreichen. Hier muss der umgekehrte Weg beschritten werden: Hebammen, Psychologen oder Sozialpädagogen, die diese Familien aktiv aufsuchen.

Therapien müssen durchgängig qualitätsgesichert sein, denn Kinder und ihre Ansprüche verändern sich im Laufe der Jahre sehr rasch, da müssen auch die Rahmenbedingungen mitwachsen. Ich wünsche mir dringend die Stärkung der Elternschaft, die oft genauso dringend einer Behandlung bedarf wie die Kinder selbst, doch dafür bekommt der Kinderarzt keine Honorierung!

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