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Foto: Markus Prantl
Prof. Dr. Reinhold Kerbl Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche, LKH Leoben-Eisenerz
 
Standpunkte 13. September 2011

One-Stop-Shop für Leistungen der Kinder- und Jugendmedizin

Die klassische österreichische Kindermedizin ist auf einem guten Niveau, was nicht heißt, dass es in manchen Bereichen nicht extreme Defizite gäbe. So ist beispielsweise das Versorgungssystem in der Kinder- und Jugendgesundheit kompliziert und es erfordert oft für einfache Heilbehelfe das Überwinden eines undurchsichtigen Kompetenzdschungels. Die Lösung wäre einfach: Im Sinne eines One-Stop-Shops könnten wir die Komplexität rasch reduzieren. Damit im Zusammenhang stehen auch die Selbstbehalte in der Pädiatrie. Zuzahlungen von 40 bis 70 Euro, je nach Bundesland, für Leistungen wir Logopädie oder Physiotherapie sind für viele Eltern oft nicht leistbar. Und das führt dazu, dass Eltern die Kompetenz überlassen wird, ob sie sich für eine Therapie entscheiden oder nicht. Ich halte daher die Befreiung von Selbstbehalten für Kinder und Jugendliche für eine wichtige Lösung.

Wir haben in unserem Sektor eine gewaltige Rechtsunsicherheit, weil viele Medikamente für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen sind. Wir benötigen daher dringend die koordinierte Durchführung von klinischen Studien. Die schlechte Studienlage geht Hand in Hand mit der schlechten Datenlage. Wir haben in Wahrheit keinen Überblick, wo wir in Fragen der Kinder- und Jugendmedizin in Österreich überhaupt stehen, weil gar keine Daten erhoben werden, geschweige denn vernetzt sind.

Ein besonderer Bereich, der gewaltige Defizite aufweist, ist die psychiatrische Versorgung der Kinder. Österreich war einmal führend im Bereich der „Sozialpädiatrie“, der Begriff ist praktisch aus der Gesundheits- und Sozialpolitik völlig verschwunden. Ein Blick auf die Reha-Einrichtungen zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist: Wir haben 8.000 Plätze für Erwachsene, aber nur 50 für Kinder!

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