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Foto: WKÖ
Dr. Martin Gleitsmann Wirtschaftskammer Österreich, Abteilungsleiter für Sozialpolitik und Gesundheit
 
Standpunkte 7. September 2011

Schwer nachvollziehbar

Seit Anfang dieses Jahres ist es möglich, Gruppenpraxen sowohl in der Rechtsform einer OG als auch in der einer GmbH zu gründen. Zwei oder mehrere Ärzte können sich somit fachgleich oder fächerübergreifend zusammenschließen und gemeinsam eine Ordination betreiben. Mit der Schaffung einer Ärzte-GmbH wurde ein langjähriger Wunsch der Ärztekammer erfüllt, was aber bei den Ärzten selbst auf wenig Resonanz gestoßen ist.

Das mangelnde Interesse wird vonseiten der Ärztekammer mit mangelnden Vorteilen begründet: fehlende Gesamtverträge sowie langwierige und kostspielige Bewilligungsverfahren. Außerdem rechnet sich eine Ärzte-GmbH erst ab einem Umsatz von 500.000 Euro, wovor viele Ärzte zurückschrecken. Nicht erwähnt wird aber, dass bereits bestehende Gruppenpraxen-Verträge in neue Ärzte-GmbH-Verträge umgewandelt werden können. Diesbezüglich liegen aber kaum Anträge vonseiten der Ärzte vor. Neben dem Gesamtvertrag mit der WGKK liegen überdies bereits entsprechende Verträge mit der BVA und der VAEB vor. Die anderen Gebietskrankenkassen werden im Laufe des Jahres folgen. Auch das angebliche wirtschaftliche Risiko für Ärzte ist nur schwer nachvollziehbar. Eine Arztpraxis erzielt im Durchschnitt rund 250.000 Euro Umsatz, wenn sich mehrere Ärzte zusammenschließen, fällt das wirtschaftliche Risiko für den Einzelnen sogar geringer aus.

Im Mittelpunkt der Diskussion sollte jedoch die Verbesserung der Patientenversorgung stehen. Die Vorteile, die sich durch die Gruppenpraxen ergeben, nämlich längere Öffnungszeiten, bessere Versorgungsleistungen und mehr Patientenservice, müssen endlich verwirklicht werden. Entscheidend ist auch, dass es zu keinen Wettbewerbsverzerrungen, Diskriminierungen und Benachteiligungen von selbstständigen Ambulatorien kommt. Langfristig müssen zur Verbesserung der Patientenversorgung „Allgemeine Versorgungszentren“ etabliert werden, um eine effiziente Koordination und Kooperation zwischen dem stationären und dem niedergelassenen Bereich zu verwirklichen.

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