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Foto: ÖÄK
MR Dr. Walter Dorner Präsident der Österreichischen Ärztekammer
 
Standpunkte 7. September 2011

Interesse hält sich in Grenzen

Als vor einem Jahr für niedergelassene Ärzte die Möglichkeit geschaffen wurde, sich in einer Ärzte-GmbH zusammenzuschließen, waren unsere Erwartungen groß: längere Öffnungszeiten für die Patienten, mehr Ärzte und mehr Fachwissen unter einem Dach vereint, eine Entlastung der überlaufenen Spitalsambulanzen, arbeitsteilige Organisation, Möglichkeiten der Teilzeitarbeit, ein größeres Spektrum an medizinischen Leistungen. Die Jahresbilanz ist aber mehr als ernüchternd: Seit das entsprechende Gesetz in Kraft ist, wurde nur eine Ärzte-GmbH in Wien gegründet. Andere Gruppenpraxen haben die alte Form der OG beibehalten, einige Neugründungen sind zumindest in Wien in der Pipeline. Ein großes Manko, das die Gründung von Ärzte-GmbHs verhindert, ist der in den übrigen Bundesländern fehlende Gesamtvertrag zwischen den jeweiligen Ärztekammern und den Gebietskrankenkassen. Die Verhandlungen laufen und ich hoffe sehr, dass die Verträge im Laufe des nächsten Jahres auf dem Tisch liegen werden. Hier ist auch der Hauptverband gefragt. Es kann nicht angehen, dass wie in der Steiermark ein Vorschlag für einen Gesamtvertrag ignoriert und gleichzeitig die Bildung weiterer OGs seitens der Gebietskrankenkasse blockiert wird.

Es muss aber auch festgehalten werden, dass sich das Interesse der Kollegen in Grenzen hält. Dies hat im Wesentlichen mehrere Gründe: Das Bewilligungsverfahren, das zur Gründung einer Ärzte-GmbH notwendig ist, ist langwierig und kostspielig. Die GmbHs rechnen sich erst ab einem Umsatz von etwa 800.000 Euro, die steuerlichen Vorteile halten sich in engen Grenzen. Restriktive Vorgaben bei der Anstellung von Gesundheitspersonal sind ein weiteres Hemmnis – pro Gesellschafter dürfen nur fünf Mitarbeiter aus anderen Gesundheitsberufen eingestellt werden, das Limit liegt bei 30 Mitarbeitern pro GmbH. Mehr Patienten und längere Öffnungszeiten würden schließlich auch zu höheren Personalkosten führen; unsere Ärzte sind offenbar noch nicht bereit, diesen Schritt zu wagen.

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