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Mag. Andreas Steiner Vorstandssprecher Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH
 
Standpunkte 30. August 2011

Prozesse müssen laufend analysiert werden

Wir spüren den Reformdruck sehr deutlich, weil natürlich auch bei uns die Kosten gestiegen sind und wir uns die Fragen nach Einsparungen stellen müssen. Ein großer Bereich, der davon betroffen ist, sind die Ambulanzen. Sie haben immer offen und nehmen alle Patienten an. Wir hatten in den letzten zehn Jahren hier eine Steigerung um 100 Prozent der Kosten. Es mag auch eine Auswirkung der Wirtschaftskrise sein, dass Patienten an Randzeiten und Wochenenden lieber in die Ambulanz kommen, als für einen Arztbesuch den Arbeitsplatz zu verlassen. Von den Selbstzuweisern, die in Ambulanzen kommen, könnten rund 60 Prozent auch zu einem niedergelassenen Arzt gehen.

Wir haben auf der Dermatologie die Zahlen erhoben und sind hier sogar auf rund 90 Prozent gekommen. Wir befinden uns derzeit in einem großen Strategieprozess, dessen Ergebnis wir dann an die politischen Entscheidungsträger weitergeben wollen, um dort die entsprechende Rückendeckung für unsere Maßnahmen zu bekommen.

Aufgrund des hohen finanziellen Druckes haben wir im letzten Jahr damit begonnen, die Prozesse zu durchleuchten. Wir haben die Leistungsplanung der Kliniken in der Tiroler Landeskrankenanstalt analysiert und festgelegt, wie das Angebot in den einzelnen Häusern aussehen soll. In der Wirbelsäulenchirurgie hat sich auf Basis dieser Analyse beispielsweise herausgestellt, dass unser Angebot zu umfangreich ist. Wir haben unsere Standardleistungen reduziert, um Kapazitäten für komplexe Fälle frei zu machen.

Solange jede Reforminitiative durch Fokussierung auf eigene Vorteile einzelner Systemteilnehmer gebremst wird, wird sich nichts bewegen. Der Patient im Mittelpunkt und jegliche Partikularinteressen der verschiedenen Stakeholder im Hintergrund – das muss daher die zentrale Forderung sein. Gemeinsame Ziele und zwischen den Systempartnern abgestimmte Umsetzung werden unumgänglich.

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