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Dr. Heinrich, Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer
 
Standpunkte 24. August 2011

Verbraucher sind nicht optimal informiert

"Herbert, trink das!", ist wohl vielen von uns im Kopf, wenn wir über Functional Food sprechen und erst recht, wenn wir einkaufen gehen. Der Werbedruck, der hier erzeugt wird, ist extrem hoch und das halte ich für äußerst bedenklich. Einerseits weil ein unnötiger Leidensdruck erzeugt wird, andererseits weil Verbraucher mit der Entscheidung überfordert sind, was und wie viel an Nahrungsergänzung oder besonders wirksamen Lebensmitteln sie brauchen. Schon Paracelsus wusste, dass die Dosis das Gift macht und unter diesem Aspekt ist eine Beratung durch Fachleute unumgänglich. Es obliegt einem Arzt oder Apotheker, einen Mangel oder die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe festzustellen und dann das passende Produkt in der passenden Dosierung auszuwählen.

Ich bin überzeugt, dass nicht alle Bürger als mündige Patienten die Frage beantworten können, in welcher Schieflage ihre Ernährungspyramide tatsächlich liegt und welche Menge an welcher Supplementation erforderlich ist, um sie wieder geradezubiegen. Daher halte ich auch den Vertrieb von Functional Food über Supermarktketten im Selbstbedienungsweg für bedenklich, weil die fachliche Beratung in jeder Hinsicht fehlt.

Ich sehe das Problem nicht unbedingt darin, dass wir uns zu unausgewogen, zu einseitig oder zu mangelhaft ernähren. Viel eher ist doch die Herausforderung in unserer Gesellschaft, dass wir zu viel essen und das natürlich nicht immer in der optimalen Zusammensetzung. Die Politik und alle Stakeholder sind aufgefordert, Ernährungsfragen und damit Functional Food nicht zu einer Spielwiese für Aktienkurse ausarten zu lassen, sondern als gesundheitspolitisches Thema ernst zu nehmen!

Von Mag. R. Haiden, Ärzte Woche 34/2011

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