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Foto: Archiv
Prof. Dr. Bernhard Ludvik Leitung der Stoffwechsel- und Diabetesambulanz, Universitätsklinik für Innere Medizin III, AKH Wien
 
Standpunkte 16. August 2011

Die Behandlung ist eine unglaubliche Ressourcenverschwendung

Ich bin überzeugt, dass sich durch die kürzlich verabschiedete Österreichische Diabetes Charta doch einiges verändern wird. Die Prävention wird stärker als bisher in den Vordergrund rücken und Disease Management Programme (DMP) werden aktiviert. DMP sind nicht darauf ausgelegt, präventiv zu wirken, sondern kanalisieren vorhandene Patientenströme. Das ist grundsätzlich ein sehr gutes System, wenn es ernst genommen wird.

Leider ist der politische Wille dazu aber nicht besonders ausgeprägt. Die Widerstände vor allem im niedergelassenen Bereich sind zum Teil sehr groß, da die Teilnahme an den Programmen schon eine organisatorische Herausforderung darstellt. Ärzte sind auf ihre therapeutische Freiheit bedacht, die Teilnahme am DMP erfordert aber leitlinienkonformes Vorgehen. Das hat auch einen Vorteil, nämlich die Absicherung des Arztes und die Gewissheit für den Patienten, am qualitativ neuesten Stand therapiert zu werden. Ich glaube, dass es mit reiner Freiwilligkeit zur Teilnahme an den DMP nicht geht.

Derzeit erfolgt die Behandlung mit einer unglaublichen Ressourcenverschwendung bei mehreren Ärzten und in der Ambulanz gleichzeitig. Das ergibt sich aus der Finanzierung durch unterschiedliche Töpfe. Solange hier keine Einigung besteht, Patienten nicht klar durch ein System der Versorgung geleitet werden und entsprechender politischer Druck fehlt, wird sich auch nichts ändern.

Viele Maßnahmen zur Reduktion von Diabetes werden seit Jahren diskutiert, bewegt wurde vergleichsweise wenig, denn über all den Forderungen steht die Ökonomie. Zudem gibt es auch keinen gemeinsamen Plan, wie Risikofaktoren reduziert werden könnten.

Kleine Partikularaktionen wie Bewegungsprogramme sind zeitlich begrenzt und daher auf lange Sicht nahezu wirkungslos. Ich sehe derzeit eher pessimistisch in die Zukunft, denn für wirkungsvolle Lösungen fehlt das politische Gewicht im Gesundheitsministerium.

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