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Foto: Privat
Provinzial Hofrat Pater Leonhard Gregotsch Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs
 
Standpunkte 5. Juli 2011

Strukturelle Fehlentwicklungen

Unser Programm soll einen konstruktiven Beitrag zu den aktuellen Gesprächen über eine zukunftsorientierte Gesundheits- und Spitalsreform leisten. Es enthält eine auf Fakten bezogene Analyse, zeigt Effizienzpotenziale auf und liefert konkrete Lösungsvorschläge zu Strukturfragen und Finanzierungsproblemen. Wesentliche Probleme im österreichischen Gesundheitssystem sehen wir in den divergierenden Kompetenzen von Krankenanstalten und Ärzten, im dualen Finanzierungssystem mit Ländern und Sozialversicherungen, das weder eine Vollkostendeckung noch eine angemessene Investitionsfinanzierung vorsieht, sowie in strukturellen Fehlentwicklungen. So werden rund 40 Prozent der Gesamtausgaben für Gesundheit für die stationäre Versorgung aufgewendet. Jeder fünfte Österreicher wird stationär aufgenommen – beides Spitzenwerte in der EU. Mit 6,5 Akutbetten je 1.000 Einwohner liegt Österreich um 70 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Wir fordern daher die Etablierung eines Systems der Qualitätsmessung, eine ganzheitliche, Sektoren und Regionen übergreifende Koordinierung von Planung, Steuerung und Finanzierung für den niedergelassenen, ambulanten und stationären Bereich, eine Trennung der Funktion von Gesundheitsplaner, Finanzierer und Spitalsbetreiber, die Schaffung eines ökonomischen Anreizsystems für Krankenanstaltenträger, gleiche Rechte und Pflichten für alle Krankenhäuser im öffentlichen Versorgungsauftrag sowie einen Übergang von Abgangsdeckung und Subvention zu kostendeckenden Erlösen im leistungsorientierten Krankenhaus-Finanzierungssystem. Zur Beurteilung von Krankenhäusern müssen dabei die nachgewiesene Qualität der medizinischen Leistungen, die Effizienz der Strukturen und Prozesse sowie die Patientenzufriedenheit herangezogen werden. Simple Kriterien wie die Anzahl der Betten sind in höchstem Maße ungeeignet. Wir haben unser Programm allen politischen Entscheidungsträgern in dieser Frage übermittelt und erwarten, dass unsere Gedanken in die politischen Konzepte einfließen werden.

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