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Prof. Dr. Bernhard Schwarz Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesundheitsökonomie, Zentrum für Public Health der MedUni Wien
 
Standpunkte 7. Juni 2011

Rahmenvorgaben statt klarer Ziele

Die Konferenz beschreitet neue Wege, indem sie auf breiter Basis versucht, Ideen zu sammeln. Beispiel dafür ist die Kombination einer Online-Ideenplattform mit der Veröffentlichung einer Ideensammlung von Teilnehmern vor Ort. Gesundheitsreformen wurden laufend angesagt, aber nur minimal umgesetzt. Die Erwartungshaltung sollte daher trotz des breiten Ansatzes keinesfalls zu hoch sein. Die Konferenz hat sich unter anderem die Aufgabe gestellt, bis Mitte 2012 verbindliche nationale Gesundheitsziele zu formulieren. Ich erwarte mir eher Rahmenvorgaben, die den politischen Kraftfeldern Rechnung tragen, somit die Freiräume vor allem auf Länderebene erhalten.

Die praktische Relevanz dieser Ziele bleibt daher abzuwarten. Vergangene „Reformen“ waren dadurch gekennzeichnet, dass Strukturen auf Länderebene weitgehend unangetastet blieben. Und auch die „Verländerung“ der Spitäler weg von den Gemeinden hat erst stattgefunden, als Gemeinden der Bankrott drohte. Ein Aufbrechen der Ländergrenzen hin zu größeren Versorgungsregionen, wie sie etwa im Österreichischen Strukturplan Gesundheit vorgegeben und für hochspezialisierte Disziplinen unumgänglich sind, wird daher vermutlich auch erst bei größter finanzieller Not der Länder stattfinden.

Ein Fokus sollte in jedem Fall auf die Ergebnisqualität gelegt werden. In manchen Bundesländern, besonders in Niederösterreich, gibt es erste Erfahrungen mit Qualitätsmanagementsystemen aus Routinedaten. Spezifisch sollten jene Anbieter und Leistungen gefördert werden, die mit entsprechender Ergebnisqualität verbunden sind. Nur von möglichen Einsparungen zu sprechen, ist in jedem Fall zu wenig, wenn einem die Gesundheit am Herzen liegt. In einigen öffentlichen Einrichtungen hat bereits eine deutliche Absetzbewegung der Bestqualifizierten in den Bereich der privaten Gesundheitsanbieter stattgefunden. Die Aufrechterhaltung der Motivation des Schlüsselpersonals muss einen zentralen Stellenwert haben.

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