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Foto: KH der Barmherzigen Brüder Wien
Prof. Dr. Wilfried Ilias Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Vorstand des Instituts für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft
 
Standpunkte 31. Mai 2011

Eine Chronifizierung des Schmerzes kommt die Gesellschaft am Ende teuer zu stehen.

Chronischer, unbehandelter Schmerz ist eines der größten ungelösten Gesundheitsprobleme weltweit. Die gesellschaftlichen Kosten des chronischen Schmerzes sind vergleichbar mit jenen für Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Einerseits treibt eine Schmerzchronifizierung die Behandlungskosten kräftig in die Höhe. So kommen etwa bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen Ko-Morbiditäten besonders häufig vor, dazu zählen insbesondere Bluthochdruck, Stoffwechselprobleme, Herz-Kreislauf-Krankheiten, psychiatrische, neurologische, urologische oder gastrointestinale Probleme. Aufgrund dieser Ko-Morbiditäten steigen in der Folge die Behandlungskosten auf das Fünffache. Andererseits steigen mit einer Chronifizierung der Schmerzen aber auch die Folgekosten für die Volkswirtschaft, unter anderem durch eine signifikante Steigerung der Krankenstandstage. Je stärker die Hinweise auf chronischen Schmerz, desto höher die Kosten.

Um beim Beispiel der häufig vorkommenden unspezifischen Rückenschmerzen zu bleiben: Die Gesamtkosten aufgrund von Rückenschmerzen betragen in Österreich derzeit rund sechs Milliarden Euro pro Jahr. Die Prävention chronischer Schmerzen ist daher nicht nur eine schmerzmedizinische, sondern auch eine gesundheitsökonomische Notwendigkeit. Wer im Gesundheits- und Sozialsystem vernünftig sparen will, ermöglicht also am besten eine konsequente und möglichst frühzeitige Behandlung von Schmerzen mit den wirksamsten Methoden der modernen Schmerzmedizin. Damit kann in sehr vielen Fällen der Entwicklung chronischer Schmerzen wirkungsvoll vorgebeugt werden – diese sind es, die enorme Kosten verursachen.

Wir haben ein umfassendes Konzept zur Behandlung von chronischen Schmerzen entwickelt. Zu fragen gilt es dabei: 1. Haben wir alles getan, um die Ursachen der Schmerzen zu behandeln? 2. Was können wir tun, um die Schmerzen selbst zu behandeln? Zentraler Punkt ist dabei die Prophylaxe oder zumindest der möglichst frühzeitige Schmerztherapie-Beginn. Wenn man früh und konsequent damit ansetzt, schon bevor der Schmerz noch im Unterbewusstsein seine Spuren hinterlässt, dann haben wir viel erreicht.

Chronische Schmerzen sind nicht zuletzt eine Folge eines ungesunden Lebensstils. Wir Ärzte sind ebenso wie die politischen Entscheidungsträger gefordert, mitzudenken und hier mit präventiven Maßnahmen anzusetzen. Menschen müssen bereits vom Kindergarten an auf die Langzeitfolgen mangelnder Bewegung und ungesunder Lebensweise konsequent hingewiesen werden. Und die Politik hat dabei für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen: ergonomische Schulmöbel, ausreichend Turnunterricht, umfassende Gesundheitserziehung etc. Denn mit der Prävention kann gar nicht früh genug begonnen werden.

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