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Foto: Mondl
DGKS Brigitte Adler Vizepräsidentin der NÖ Arbeiterkammer und Betriebsrats- vorsitzende im Landesklinikum Klosterneuburg
 
Standpunkte 25. Mai 2011

Emotionale Erschöpfung

Der psychische Druck, der auf den Gesundheits- und Krankenpflegepersonen lastet, ist enorm. Das bestätigt eine Studie unter 40.000 Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbetreuungswesen in Niederösterreich. Ein Beispiel: Die geleistete Arbeitszeit geht weit über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus. 20 Prozent arbeiten regelmäßig mehr als 40 Stunden. Auch die Teilzeitbeschäftigten leisten regelmäßig Mehrarbeit. Sowohl in der stationären als auch in der mobilen Pflege hat die Arbeitsverdichtung zugenommen.

In den Spitälern durch die steigende Zahl von Aufnahmen, im mobilen Bereich durch eine „Taktung“ der Arbeitszeit in 15- und 30-Minuten-Einheiten. In der Langzeitpflege wurden Posten vom gehobenen Dienst auf Hilfsdienste umgewidmet. Wenn jeder Fünfte sagt, er ist emotional erschöpft, so gefährdet das in meinen Augen bereits heute die Qualität der Leistungen. Die Länder haben derzeit ein Monopol bei der Ausbildung zum gehobenen Dienst und sind gleichzeitig der mit Abstand größte Arbeitgeber im stationären Bereich. Wenn bei den Ländern der Spardruck steigt und damit die Arbeitsbedingungen schlechter werden, wirkt sich das auch abschreckend auf die Berufswahl aus.

So gerät der „Jobmotor Gesundheitswesen“ ins Stottern. Kein Wunder, dass sich in Österreich der Ärztemangel bereits deutlich bemerkbar macht und rund 7.000 Stellen im Pflege- und Betreuungsbereich nur schleppend nachbesetzt werden können. Vergangenen Freitag wurde daher der „St. Pöltner Appell“ gemeinsam von der Arbeiterkammer und der Ärztekammer NÖ beschlossen. Darin werden von den politisch Verantwortlichen und den Arbeitgebern ein Ende der budgetären Geringschätzung, eine Aufstockung des Personals, Einhaltung der geplanten Dienstzeiten sowie gesundheitsfördernde und altersgerechte Arbeitsplätze gefordert. In multiprofessionellen Teams erbringen wir für die Gesellschaft eine wertvolle, oft auch lebenswichtige Leistung. Dafür fordern wir auch eine entsprechende Wertschätzung ein.

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